Deutschland – 09. September
Die Ärzte kommen bei der morgendlichen Visite überein, mich nochmals wegen meiner nächtlichen „Schwitzeskapaden“ am Montag kurz vor dem geplanten OP-Termin thoraxmäßig ins CT zu schicken. Besser so. Wenn ich hier jemals wieder entlassen werden sollte, dann möchte ich als Gesunder gehen. Ich bekomme schon am frühen Morgen einen Bettnachbarn.


Ein junger Mann aus der Orgelstadt Waldkirch belegt das zweite Bett. Mit ihm kann ich mich sehr gut unterhalten und die Zeit geht so schneller herum, als wenn man alleine in einem Zimmer liegt. Barbara hat es zum zweiten Mal geschafft, mit der Freiburger Straßenbahn zu mir zu kommen. Sie muss vom Campingplatz erst zwei Kilometer laufen bis zur Haltestelle und nach dem Aussteigen sind es auch nochmals gut 800 Meter bis zur Uniklinik. Ich wäre ganz sicher in die falsche Straßenbahn eingestiegen und in die falsche Richtung gefahren.

Das wäre nicht das erste Mal, dass mir so etwas passiert. (Siehe Bericht vom 8. September) Ich habe einen richtigen Horror vor öffentlichen Verkehrsmitteln. Nur auf meinem Traktor oder in meinem Dreiradauto fühle ich mich umgebungssicher und straßenverkehrstauglich. Barbara bleibt zwei Stunden. Wir sitzen auf einer metallenen Parkbank und besprechen den morgigen Tag. Morgen, am 10. September erreicht sie ein Alter und eine Lebensjahreszahl, von dem man behauptet, dass das Leben da erst anfängt. Udo Jürgens hat das einmal in einem seiner Lieder so treffend besungen. Wir haben uns diesen Tag ganz anders noch vor Wochen vorgestellt. Wir wollten irgendwo in Frankreich chic essen gehen und am Abend ein Fläschchen Wein miteinander trinken. So aber ist sie alleine im Bauwagen und wird wieder mit der Straßenbahn zum Mittag zu mir kommen, damit wir wenigstens in der Klinikcafeteria ein Stück Geburtstagstorte verschnabulieren können. Zum Nachmittag sind wir dann zu Dritt im Zimmer. Ein älterer Bosnier leistet uns Gesellschaft, der ein sehr verständliches Deutsch spricht und auch, so wie der jüngere Waldkirchener gesprächig ist. Die Pfleger und Schwestern (Badisch-„Schweschdern“) sind nach wie vor sehr aufmerksam und es fehlt mir eigentlich an nichts. Doch!
Etwas fehlt mir doch. Die Gesundheit! Das wird aber heute in einer Woche schon ganz anders aussehen. Dem Hoffenden gehört die Welt! Die Sonne scheint verhalten, aber es ist trotzdem sehr warm. Wir haben Fön würde man zu dieser Wetterlage hier sagen. Und ich bekomme sicher einen „Föhn“, wenn ich nicht bald wieder an die frische Luft komme. Nach fast sechs Monaten in freier Natur ist man an frische Luft gewöhnt und das Eingesperrtsein schmerzt. Am Abend ist mal wieder Günter Jauch mit seiner Millionärssendung präsent. Noch drei lange Tage bis zur Operation. Ich muss geduldig bleiben.
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