Ein seltener "6340er" Zetor mit Allradantrieb

Schweiz – 02.09.11

Mit mir ist etwas nicht in Ordnung. Dreimal musste ich mich in der Nacht wieder umziehen, so stark geschwitzt war ich. Ich hätte das T-Shirt auswringen können. Wie gut, dass ich unter mir und über mich als Vorsorge noch ein großes Frotteetuch gelegt habe. Das geht, so wie andere Teile auch am Morgen sofort in die Waschmaschine und in den Trockner. Um Zwölf sind wir auf dem Weg nach Bellach, um nach fast sechs Monaten den arg mitgenommenen Zetor in einer Selbstwaschanlage zu waschen. Da geht der Straßenstaub von 12 Ländern teilweise nur in Schichten herunter. Danach aber glänzt unser Goldstück wieder.

Ein seltener "6340er" Zetor mit Allradantrieb
Ein seltener "6340er" Zetor mit Allradantrieb

Polieren werde ich ihn wieder zu Hause von Hand. Danach holen wir die wichtigsten Lebensmittel für das Wochenende ein und gehen nebenan in einen Zubehörladen für PKW-Teile, um uns einen neuen Bremskeil zu besorgen. Wir hatten einmal derer Drei. Den Ersten, den Kleinsten haben wir unterwegs irgendwo in Finnland schon verloren. Er wird durch einen Spalt unter dem Balkon durchgerutscht sein. Den Zweiten habe wir beim Wiederanfahren auf einem Berg schlichtweg vergessen mitzunehmen und den Dritten habe ich vorgestern beim Zurückstoßen auf einem Parkplatz überfahren, so dass das Plastikteil zerbrach. Da unsere Handbremse nicht immer hält, bleibe ich meist im Trecker so lange sitzen, bis Barbara einen Keil unter ein Rad des Wagens gelegt hat.

Am "5511er" ist alles komplett...bis auf die Scheibenwischer
Am "5511er" ist alles komplett...bis auf die Scheibenwischer
Sogar einen "schnittigen" italienischen "Lamborghini-Traktor" gibt es zu bestaunen
Sogar einen "schnittigen" italienischen "Lamborghini-Traktor" gibt es zu bestaunen

Das ist sicherer als wenn nur ein Gang eingelegt ist. Man weiß ja nie. Nach dem Einkauf wieder schnell zurück auf unseren Platz, einen Joghurt im Stehen verzehren, den Hänger straßenfertig machen und über den besagten Promilleweg nach Bellach zur Werkstatt, zur Ausstellung fahren. Pünktlich um Zwei sind wir vor Ort, lassen die Treppe herunter und erklären einigen Besuchern unser abenteuerliches Gespann. Wir sind die Ersten, die sich eine schöne, lange, Schweizer Bratwurst einverleiben dürfen.

Die erste seit Ende März. Wir haben Hunger. Tische und Bänke sind in der langen Halle für die Besucher aufgestellt und es gibt Getränke und Würstchen kostenlos. Wir testen die Sitzqualität der sechs ausgestellten New-Holland Traktoren und die Beifahrersitze. Nicht alle entsprechen unseren Vorstellungen.

Bürokauffrau-Praktikantin "Deborah" macht sich Notizen wegen des Presseartikels
Bürokauffrau-Praktikantin "Deborah" macht sich Notizen wegen des Presseartikels

Dagen haben alle Modelle eine Klimaanlage, Radio, Ausstellfenster und ein Hubdach und viele Annehmlichkeiten mehr, von denen wir nur träumen können. Fahren könnte ich einen solchen Kraftprotz, der bis 280 PS auf den Acker bringt nicht. Es gibt statt eines Schalthebels nur einen Joystick und tausend Knöpfe. Man fühlt sich wie in einer Pilotenkanzel.

Probesitzen im fabrikneuen "New Holland"
Probesitzen im fabrikneuen "New Holland"
Bunte Auflockerung vor dem Werkstatt-Tor
Bunte Auflockerung vor dem Werkstatt-Tor

So viele Instrumente sind wohl nötig, um heutzutage rationell den Acker zu bestellen. Ich möchte trotzdem lieber in unserem kleinen Zetorli sitzen. Da bin ich Zuhause und fühle mich sicher. Eine Praktikantin der Firma, Deborah, macht sich Notizen über unsere Reise und vom Gespann und will unter anderem den Bericht an die Solothurner Presse und an zwei landwirtschaftliche Blätter schicken. Mal schauen, was dabei heraus kommt. Zwischendurch betritt die ganze Mannschaft von Andreas den Bauwagen und wir können allen voller Stolz unsere Zetor-Speisekarte aus der Zetor-Bar in Helsinki zeigen, die ja wie eine Zeitung gestaltet ist und wo man in 27 Sprachen die Angebote lesen und bestellen kann. Wir haben unsere neuen roten Zetor-T-Shirts angezogen, die uns schon gestern Andreas freundlicherweise überlassen hat. Darauf steht auf der Vorderseite:“ Erstes Schweizerisches Zetortreffen 30. und 31. Juli 2011!“ Auf dem Rücken liest man den Werbespruch: „Ein schlauer Bauer vertraut auf Zetorpower!“

Mitarbeiter "Jay" stellt sich stolz in Positur
Mitarbeiter "Jay" stellt sich stolz in Positur

Das gefällt sicher nicht den Außendienstvertrieblern von „New Holland“, aber wir sind ja Gäste aus Deutschland und man wird uns verzeihen. Auch wenn wir direkt unübersehbar neben dem Eingangstor der Halle stehen. Die Stimmung ist gut und wir fühlen uns sehr wohl in diesem Betrieb. Eine runde Sache! Nach vier Stunden brechen wir mit dem Gespann wieder auf und fahren zurück. Unser Platz wurde weiterhin für uns reserviert. Wir hatten auch den Tisch und Stühle und andere Gegenstände auf dem Rasen stehen gelassen. Sicher ist sicher.

Wir entspannen im Liegestuhl. Es sind noch immer 26 Grad. Aus der Ferne von den Bergen her Gewittergrollen. Als es dunkel wird, hat man einen sehr schönen Blick auf das nahe Solothurn und auf die beleuchtete Silhouette der Stadt vor den Berghängen.

Wie ich erfuhr, gibt es einen direkten Weg nach Norden über den Berg, der satte 25% Steigung aufweist. Da darf aber kein Gespann hinüber und wir werden es auch geflissentlich nicht versuchen, auch wenn unsere Navis nächste Woche hundertmal plärren: „Fahren Sie bitte geradeaus!“ Wir sind gebrannte Kinder.

Für Morgen Nachmittag haben wir Andreas und Sabrina zum Kaffeetrinken bei uns eingeladen. Das wird ganz sicher eine unterhaltsame Zeit. Wir freuen uns auf die beiden. Morgen vor genau 5 Monaten sind wir ins Abenteuer gestartet. Ein denkwürdiger Tag, den es zu feiern gilt.

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