Was ist seit Oktober 2015 geschehen?

Was ist seit Oktober 2015 geschehen?

„Tante Paula liegt im Bett und isst Tomaten!“
Dieser uralte Foxtrott von 1929, einst gesungen von Trude Lieske und Alexander Flessburg und auf Vinyl gepresst kann ich mir immer wieder anhören. Schön das obligatorische Krächzen, das aus dem Grammophon tönt. Und erst der schräge Text…!
Unsere Tante Paula aber steht in der Scheune und genießt den Winter auf ihre Art.
Es geht also auch ohne Tomaten.
Im zeitigen Januar wurden wir zur ersten Lesung in diesem Jahr vom Vellmarer Geschichtskreis e.V. in die dortige Ratsschänke eingeladen.

Vellmar-Ratsschänke
Vellmar-Ratsschänke

Der Vortrag über unsere Nordeuropatour wurde dort mit viel Beifall bedacht und eine gewünschte Anschlusslesung aus Buch zwei soll im Januar 2017 folgen.
Im Februar dann hatte ich mich bereit erklärt, im Klostermuseum Burghasungen eine Laudatio zur Gemäldeausstellung der Westuffelner Künstlerin Annegreth Siebert zu halten.
Es war wohl meine 19. In meinem langen Leben.
Wenngleich auch viel Mühe und Fleiß in den Vorbereitungen für so eine Lobrede steckt, so gerne vertiefe ich mich immer in die Vita des Künstlers.
Dann bekamen wir eine Einladung von den Bezirkslandfrauen Immenhausen zur Lesung.
Auch dieser Abend war von Erfolg gekrönt und der Saal war voll bis auf den letzten Platz.

HR-Fernsehinterview
HR-Fernsehinterview

Anfang Mai rief uns ein Redakteur des hessischen Fernsehens an und wollte wissen, ob auch wir zum Weltrekordtreffen der längsten Treckerschlange nach Bad Wildungen/Odershausen kämen.
Sie wollten dann ein Liveinterview mit uns führen, wo wir vor unserem bunt beklebten Traktor stehen.
Natürlich haben wir zugesagt, auch wenn das Fernsehen nicht dabei gewesen wäre, denn wir hatten den dortigen Veranstaltern schon lange zuvor unsere Teilnahme mitgeteilt.
Das darf man sich einfach nicht entgehen lassen, zumal es nur 55 Kilometer bis dorthin zu tuckern waren.

Der alte Weltrekord aus den USA lag bei 865 Traktoren.
Alle Oldtimer (nicht nur die Menschen) mussten älter als 30 Jahre sein und selbständig eine Strecke mit ihrem Ackerschlepper von 12 Kilometern fahren können.
Also nichts wie hin mit unserem Gespann.
An einem Sonntag begann dann die große Aufstellung auf dem riesigen Festgelände und die Spazierfahrt mit einer „Geschwindigkeit von maximal 10 km/h.
Eine Kommission vom Guinnessbuch der Rekorde überwachte jede Einzelheit und zählte bei Abfahrt gewissenhaft die Anzahl der startenden Traktoren.

Einer von 1365 Oldies
Einer von 1365 Oldies

Man glaubt es kaum, es kamen ganze 1365 Trecker zusammen, teilweise aus fernen anderen Bundesländern, die alle hintereinander in kurzen Abständen losfuhren. Ein angenehmer Höllenlärm über 5 Stunden.
Tausende Zuschauer säumten die Wegeränder.
Und am Ende, gegen Abend stand dann das endgültige Ergebnis fest:
Wir sind Weltrekordteilnehmer und … Sieger geworden. Geschafft!
Im nächsten Guinnessbuch wird dieser gelungene Weltrekordversuch nachzulesen sein.
Das Interview fand auf einer Wiese bei hellstem Sonnenschein und bester Laune statt und dauerte ca. 6 Minuten.
Wir wurden nach unseren vergangenen Reisen befragt und nach zukünftigen Unternehmungen und gaben „brav“ dem sympathischen Reporter Antwort.
Das war ein ganz tolles Wochenende, das wir nie vergessen werden.
Nun stand vom 20. – 29.Mai das größte Jahresfest der Hessen an, der „Hessentag,“ der seit 1961 jeweils in einer anderen Stadt durchgeführt wird.
Diesmal war es die sehr sehenswerte Stadt Herborn im Lahn/Dillkreis.

Hessentagstrachtengruppe - Herborn
Hessentagstrachtengruppe – Herborn

Da wir rechtzeitig mit der Stadt Herborn einen Vertrag abgeschlossen hatten und die Einladung der Herborner Schlossbuchhandlung schon lange beschlossen war, tuckerte ich im Wechsel mit einem Treckerfreund einen Tag vor Beginn die 160 Kilometer bis zur Hessentagsstraße, wo ich mit dem Gespann einen festen Platz vor der Buchhandlung einnehmen konnte.
940‘000 Besucher waren es am Ende, die die vielfältigen Veranstaltungen und die Hessentagsstraße besuchten.
Viele prominente und bekannte Mitbürger, Tanz- und Seniorengruppen, Künstler, Schausteller und Kinder suchten mich im Bauwagen auf und wir führten sehr gute und anschauliche Gespräche über den Sinn oder Unsinn, mit einem Traktor zu verreisen.
Eines Tages kam die örtliche Presse zu mir in den Bauwagen und brachte am Folgetag einen ganzseitigen Bericht mit Fotos über mein Hiersein.

Vor der Schlossbuchhandlung
Vor der Schlossbuchhandlung

Und ein paar Tage später erwischte mich ein lokales Fernsehteam und filmte munter drauf los.
In den 10 Tagen hatte ich 16 Lesungen in der gut sortierten und sehr ansprechenden Schlossbuchhandlung, wo ich auch einige Exemplare meiner Bücher an die Frau/Mann bringen konnte.
Die Inhaberin und alle Angestellten hatten offenbar viel Spaß an und mit mir und ich war an so manchen Tage fast außer Puste vom vielen Reden, Erklären, Zeigen und Vortragen.
Aber es hatte sich gelohnt und ich würde jederzeit wieder an so einer Großveranstaltung teilnehmen.
Auch meine Ehefrau, die ein paar Tage später nachkam, war begeistert von den netten Menschen dort und dem schönen Fachwerkstädtchen.

Hessentagsstraße
Hessentagsstraße

Danke, Stadt Herborn und danke, liebe Frau Martina Posselt von der Schlossbuchhandlung und danke ihren kompetenten und netten Mitarbeiterinnen.
Auf der Rückreise nach Hause erholten wir uns dann noch 3 Tage auf einem Campingplatz in der Nähe des Edersees.
Am 8. Juli, ein sonniger Tag, las ich dann am Nachmittag in Calden im „Cafe am See“ bei der „Werkhilfe Calden,“ die mich eingeladen hatte, vorzutragen.

Cafe am See - Calden
Cafe am See – Calden

Ein bunt gemischtes, sehr aufmerksames Publikum machte mir viel Freude und besonders die 150 Fotos über unsere Südeuropatour, die mittels Beamer über die Leinwand liefen, kamen wieder einmal sehr gut an.
Der Vorstand des tschechischen Traktorherstellers „ZETOR“ lud uns für den 23.-25. Juni per Email in die Kirschenstadt Witzenhausen ein, an der Eröffnung der 2. deutschen Niederlassung mit Feierstunde und Präsentation der neuesten Modelle teilzunehmen.
Wir sollten dort mit dem ganzen Gespann anrücken, um u.a. zu zeigen, dass ein alter Zetor, der 33 Jahre unter der rot lackierten Haube hat, immerhin bis jetzt schon über 23000 Kilometer klaglos gelaufen ist.

70 Jahre Zetor
70 Jahre Zetor

Außerdem wurden mir 2 Lesungen angeboten.
Kurz: wir wurden sehr herzlich empfangen, hatten Essen und Trinken frei und ich las am 1. Abend vor den verantwortlichen Zetor- Managern aus Österreich, der Schweiz, Tschechien und Deutschland und am 2. Abend vor den Fachhändlern der 4 Länder, abwechselnd aus beiden Büchern.
Unser guter, rüstiger Zetor 5011 wurde allgemein bestaunt und wir bekamen von den tschechischen Vorständen eine konkrete Einladung für 2017, nach Brno (Brünn) zu tuckern, nur 750 Kilometer von unserem Heimatort entfernt, um dort im Hauptwerk ein wenig Werbung für diese großartigen Traktoren zu machen und über die tschechischen Medien die Robustheit dieser weltweit exportierenden Marke zu repräsentieren.

Lesung bei eingefleischten Zetoristen
Lesung bei eingefleischten Zetoristen

Wir wissen noch nicht, ob wir diese doch etwas beschwerliche Reise tatsächlich antreten werden, da wir gesundheitlich ein wenig nachgelassen haben. Das Alter fordert gelegentlich seinen Tribut.
Und „Schwund“ gibt es gelegentlich auch in den menschlichen Zellen.
Aber wer weiß…
Da sich unweit der neuen Zetor Niederlassung in Witzenhausen ein Campingplatz direkt am Fluss Werra befand, der uns zusagte, machten wir Ende Juli 10 Tage Urlaub und erholten uns prächtig.
Eines Tages kam die Platzinhaberin auf mich zu und fragte, ob ich Lust hätte, in einem großen Jugendzelt, das etwa 50 Personen fasst und zur Zeit von einer christlichen Jugendgruppe belegt war, zu lesen.

Premierenlesung in einem Großzelt
Premierenlesung in einem Großzelt

Natürlich hatte ich Lust und beauftragte unseren Sohn, uns das Equipment von zu Hause zu bringen, da ich verständlicherweise im Urlaub keine Unterlagen mitgenommen hatte.
Und es klappte.
48 Zuhörer fanden sich dichtgedrängt am Abend im Zelt ein. Überwiegend Jugendliche, die Platzinhaberin mit Familie, aber auch andere Camper, zum Teil auch aus Holland, die meinen Vortrag hören und sehen wollten.

Nahe des Campingplatzes die neue Zetor-Niederlassung
Nahe des Campingplatzes die neue Zetor-Niederlassung

Erstaunlicherweise waren gerade die vorher so lebhaften Teens mucksmäuschenstill und ich hatte keine Mühe, auch ohne Mikrofon meine Texte an die Camper zu bringen.

Siesta auf dem Campingplatz
Siesta auf dem Campingplatz

Zwischenzeitlich war unser Trecker wieder mal in der Werkstatt. Das rechte, hintere Differenzialgetriebe leckte und die Kugellager waren verschlissen und mussten ausgetauscht werden.
Nun ja, bei solch einer Laufleistung!
Durch den TÜV sind wir aber wieder einmal ohne jeglichen Mängel gekommen.
Am 13.September las ich dann in Liebenau/Niedermeiser bei den dortigen Landfrauen aus Buch 1 im Saal eines Gasthauses.
Nun werde ich fast alle Landfrauen im Kreisgebiet um Hofgeismar herum kennen gelernt haben.
Es ist mir immer eine besonders große Freude, bei den Landfrauen lesen zu dürfen, da erstens die Beteiligung stets sehr zufriedenstellend ist und die Frauen immer „gut Ohr“ sind.

Bei den Landfrauen in Niedermeiser
Bei den Landfrauen in Niedermeiser

Von den kleinen Aufmerksamkeiten wie z.B. einer echten nordhessischen „Stracken“ oder auch einer „dürren Runden“ einmal abgesehen, die wir gelegentlich als Dankeschön erhielten.

Lesung in Magdeburg
Lesung in Magdeburg

Anfang September schrieben mich meine Magdeburger Verlegerinnen Cornelia Reinhold und Mady Host vom Travel Diary-Verlag an mit der Frage, ob wir Lust hätten, am 29. September mit dem Gespann in die Sachsen-Anhaltinische Hauptstadt zu kommen, um dort anlässlich der Magdeburger Literaturwochen in den bekannten „Gruson-Gewächshäusern“ eine Vorstellung zu geben.
Nichts leichter als das!

Vor den "Gruson"-Gewächshäusern
Vor den „Gruson“-Gewächshäusern

Also machten wir uns auf den 250 Kilometer kurzen Weg, übernachteten einmal auf einem Campingplatz bei Goslar im Harz, bevor wir wohlbehalten an beschriebener Stelle ankamen. (Die Strecke war nicht gerade leicht zu fahren wegen der zeitweise 15% Steigungen)
Wir wurden sehr nett aufgenommen, bekamen einen exklusiven Stellplatz hinter den Gewächshäusern und durften uns die imposanten Gewächse, nach Themen in 10 Gewächshäusern aufgeteilt, die Kaimane, Chamäleons und Schauaquarien so oft anschauen, wie wir wollten.
4 Magdeburger Wochenzeitungen hatten uns angekündigt.
Im sogenannten Farnhaus hatte ich dann meine gut besuchte Abendlesung.

Im Farnhaus
Im Farnhaus

Eine Kulisse, wie man es sich kaum schöner vorstellen kann. Die kleine Bühne stand über einem Goldfischteich und die riesigen Farngewächse umrahmten den sehenswerten Raum.
Unter mir wieselten die nassen Fische umher und lauschten meinen nicht immer trockenen Ausführungen über unsere Nordeuropatour.
Die Elbe floss derweil etwa 500 Meter entfernt von den Gewächshäusern gluckernd unbemerkt von den Zuhörern und von mir ihren Weg weiter durch die Stadt.
Der Traktor durfte direkt vor dem Haupteingang stehen.
Ein voller Erfolg!

Magdeburg, die „Otto-Stadt“ muss man gesehen haben!
Und die unterschiedlichsten Abenteuerreisebücher der Autoren, die im Travel-Diary-Verlag publizieren, sollte man gelesen haben.

Bummel durch die Gewächshäuser
Bummel durch die Gewächshäuser

Es gibt also noch mehr verrückte Globetrotter aus Deutschland.
Auf der Rückreise haben wir bewusst die „Hügel“ des Harzes vermieden und sind in Richtung der Rosenstadt Sangerhausen gefahren.

Kleiner Scherz am Bauwagen
Kleiner Scherz am Bauwagen

Auf dem großen Campingplatz an der Kelbra-Talsperre in Thüringen legten wir eine dreitägige Verschnaufpause ein, bevor wir die restlichen 140 Kilometer und 8 Stunden Tuckern an einem Montagabend erschöpft, aber glücklich und zufrieden mit dem Erlebten wieder zu Hause ankamen.

Wir lassen den Stau hinter uns
Wir lassen den Stau hinter uns

Anfang November werde ich die letzte Lesung in diesem Jahr in Zierenberg bei den sog. ökomenischen Frühstücksfrauen im katholischen Gemeindesaal haben, wo ich schon einmal vortragen durfte. 24 Mal Lesen in einem Jahr sollte aber genügen.
Wir freuen uns schon sehr auf das kommende Jahr, das uns sicher wieder viel erleben lässt.
Weitere Lesungen und die Fahrt nach Tschechien sind geplant.
Aber wie das nun mal so im Leben ist: Erstens kommt es anders…
Und zweitens sollte man dankbar über das bisher Gewesene und Erlebte sein.