Was ist seit Oktober 2018 geschehen?

Wo soll ich anfangen?
Und was halte ich für erwähnenswert?
Und was eher nicht?
Dass ich im Winterhalbjahr nur zweimal eine dünne Schicht Schnee vom Gehsteig schieben
musste und der Winter viel zu trocken war?
Das interessiert wohl kaum jemanden.
Doch dass wir im April das erste Mal live dabei waren, als unser sportlicher
Allrounderschwiegersohn seinen 2. Marathonlauf in Wien erfolgreich hinter sich brachte und
wir ihm und den anderen 42000 Läufern zujubeln konnten, war schon nicht alltäglich.

Leider mussten wir mit unserer „Butter- und Brotlimousine“ die Reise antreten und nicht mit
unserem heißgeliebten und langstreckenerprobten Traktor, da allein die Anreise etwa 6-7
Tage gedauert hätte.
Ganze sieben Tage Zeit nahmen wir uns, um die österreichische Hauptstadt nebenbei zu
erkunden.
Sie hat uns nicht enttäuscht.

Das nostalgische Riesenrad im Prater und der Welt höchstes Kettenkarussell mit einer Höhe
von 95 Metern und einer Umdrehungsgeschwindigkeit von stolzen 60 km/h hat uns ebenso
wenig enttäuscht wie die Sachertorte, der Naschmarkt, die Wiener Ringstraße, die alte
Hofburg u.v.a.m.

Nur die bekannten Wiener Würstchen bekamen wir leider nicht zu Gesicht, die übrigens von
den Österreichern seltsamerweise Frankfurter genannt werden.
Ob die Frankfurter …
Wie wir erfuhren, müssen Hunde, egal welcher Couleur, wenn sie vor, auf oder in
öffentlichen Einrichtungen wie etwa in der Straßenbahn, im Bahnhofsgelände oder in der U-
Bahn mitgeführt werden, permanent einen Maulkorb tragen.
Manchem unliebsamen Zeitgenossen möchte man einen ebensolchen gönnen!
Man sagt auch mancherorts Beißkorb dazu, obwohl die Hunde lieber in eine Wurst beißen
würden.
Es gab in einem Wiener Fachgeschäft unzählige Variationen und in utopischen Preislagen.
Wir entschieden uns nach Rückmeldung unseres Hundes sogleich für einen sogenannten
Schleifenmaulkorb, der preislich im unteren Segment lag und die Physiognomie des
Hundehauptes noch erkennen ließ.

So die strengen Bestimmungen in diesem unserem schönen Nachbarland.
Es war nicht ganz einfach, unserer kleinen Rüdin einen Maulkorb zu verpassen, aber schon
nach der 2. Fahrt hat sie sich dem Ungemach treu ergeben.
Nun gut, es war eine erbauliche Reise, die nach einer Wiederholung ruft.
Wien ist eine Reise wert, wenngleich auch knapp 900 km von unserem Dörfchen am Rande
des Reinhardswaldes entfernt.
Anfang Mai traten wir die längste Fahrt in diesem Jahr an.
Natürlich wie es sich gehört mit unserem Langstreckentraktor und „Tante Paula“.
Nur stellte sich die elementare Frage, wie unsere Hündin Lexi unbeschadet im Trecker
untergebracht werden konnte.
Bisher fuhr Barbara, meine Sozia, immer mit unserer Oldtimerente, die jetzt im 30. Jahr läuft,
mit dem Hund auf dem Beifahrersitz (unsere Ente hat nur 2 Sitzplätze) dem jeweiligen Ziel
voran.
Und ich … tuckerte still und einsam vor mich hin.
Das musste sich ändern.
Ich ließ mir etwas einfallen.
Ein umgestülpter Klappeinkaufskorb mit innerer und äußerer Holzverstärkung und darauf
eine dicke Schaumstoffmatratze in Höhe der Frontscheibe war das Ergebnis.
So lag der Hund mit ungetrübtem Rundumblick rechts in Kniehöhe vor mir, hoch über den
beiden Bremspedalen und genoss offensichtlich den Höllenlärm des Motors und die
ruckelnden Bewegungen der Karosserie.
Meist schlief sie.
Ich weniger.
Es ging wie so viele Male zuvor in den „wilden Osten“ in den Ort Nohra in Thüringen auf den
Campingplatz „Am Hünstein“.
https://campingplatzhünstein.de/
Ein kleiner, aber gut geführter und ruhiger Campingplatz in der Nähe von Nordhausen, wo
wir eine Nacht verbrachten und wo schon einmal 6 Jahre zuvor eine Zwischenübernachtung
hatten.
Die Platzwartin kannte uns noch von damals und wir bekamen einen sehr ansprechenden
Stellplatz in der Nähe eines Hühnerstalls, wo uns am nächsten Morgen schon um 6 Uhr der
stimmgewaltige bunte Hahn aus der Koje lockte.
Wir hatten uns im sogenannten „Zetorforum“ (über 2000 Mitglieder) im Internet schon vor
Wochen zum 4. Deutschen Zetortreffen bei den Veranstaltern angemeldet und waren sehr
gespannt, wer und was uns dort erwarten sollte.
www.zetor-forum.de
Nach 8 Stunden Bummelfahrt durch wunderschöne Landschaften an den
Weinanbaugebieten Saale-Unstrut entlang kamen wir doch etwas erschöpft am Rande der
sächsischen Stadt Leipzig am Zielort an.

Der Hund freute sich und bellte spontan mit dem Schwanz (der bleibt stets dran, wenn er
bellt), als er die anderen roten und grünen Zetoren aus seinen schwarzen Knopfaugen
erblickte.
Wir standen plötzlich mit dem Gespann im Innenhof einer großen Wäscherei im Stadtteil
Knaut-Kleeberg und wurden freundlichst eingewiesen und im Kreis der anderen
Zetorfreunde herzlich aufgenommen.

Aber nicht wir hatten die längste Anreise (270 km), sondern ein alter Freund aus dem
Norden Schwedens kam eigens zu dem Treffen mit seinem Landrover angereist.
Groß war natürlich die Freude, sich wiederzusehen.
Ein anderer, der aber leider auch nicht mit dem Traktor aus Niederbayern gekommen war
oder auch ein paar gestandene Männer aus Schleswig Holstein und viele Traktoristen aus
dem näheren Umland machten sich mit uns Nordhessen bekannt.
Wie eine große Familie kamen wir zusammen und es fehlte zu keiner Zeit am Gesprächsstoff
und regem Austausch.

Und … wir sahen zum ersten Mal einen zweiten, dritten und vierten Zetor mit der
Typenbezeichnung 5011.
Was konnte schöner sein!
Am kommenden Tag ging es mit allen Oldtimertraktoren per Korsofahrt ins benachbarte
Dörfchen Rehbach, wo just an diesem Wochenende die dort ansässige Bienenfarm ein
großes Event veranstaltete.

www.bienenfarmkern.de

Viele tolle Souveniers konnte man da erwerben, wo stets der Honig im Mittelpunkt stand.
Ich begnügte mich mit einem frisch abgezapften Glas Frühlingshonig und einem Stück
Bienenstich.
Hinter der Lokalität konnten Kinder auf einer Wiese auf kleinen, braven Pferdchen reiten,
jedoch ein Honigkuchenpferd sah ich leider keines.
Am späteren Abend dann, als wir in der privaten Hauskneipe des Veranstalters alle wieder
zusammen kamen, um unser Treffen zu feiern, bekam ich noch die Gelegenheit aus meinem
Abenteuerbuch, Teil 1 lesen zu dürfen.
Der Beifall war mir Lohn genug und ein Feierabendbier gab’s obendrein.
Hier bei diesen „ausgeflippten“ Traktorfreunden fühlten wir uns sehr wohl und freuen uns
schon auf das kommende Treffen 2020, das in der Nähe von Erfurt, in Remda stattfinden
wird.

www.zetor-forum.de/forum/events/5-traktorentreffen-remda.43/

Das Wetter war nicht gerade angetan, sich in Leipzig lange im Freien aufzuhalten.
Sogar ein paar Schneeflocken wehten uns zeitweise um die rote Nase.
Aber wir haben ja eine Vollkabine und warme Hosenträger für die ärgsten Unbilden der
Natur.

Sonntagmorgen dann verließen wir wieder unter großem Hallo diese sehr gastfreundliche
Stätte der „Zetorbegegnungen“ und tuckerten gen Westen, Richtung Heimat, wo wir zwei
weitere Tage und Nächte auf dem Campingplatz in Nohra verbrachten.

Dieses lange Wochenende werden wir nie vergessen können.
Es war eines der Highlights in diesem Jahr!

Wenige Tage später veranstaltete unser Nachbardorf Udenhausen sein 1000jähriges
Bestehen.
https://www.grebenstein.de/
Durchs halbe Dorf zogen sich Marktstände, interessante Veranstaltungen und
Musikdarbietungen.
Auch eine kleine Schlepperausstellung mit Oldtimern aus der Region konnte man aufsuchen.

Natürlich waren wir mit unserem Oldie dabei und hatten einen regen Austausch mit dem
Festbesuchern.
Der Juni blieb auch nicht ereignislos.

Irgendwann erhielt ich die Nachricht, dass sich ein Fotograf aus dem benachbarten
Städtchen Vellmar bei Kassel sehr für unsere Oldtimerente interessiert und ich solle ihn doch
bitte mal kontaktieren.
Der Mann, ein begnadeter Fotograf, Unter-und Überwasserfilmer, der zeitweise fast in der
ganzen Welt unterwegs ist, um die Umwelt in Fotos festzuhalten organisierte mit mir einen
Fototermin.
Jedoch ein paar Tage zuvor streikte mein sonst wackerer Oldtimer.
Die Bremse saß total fest, ich konnte keinen Schritt mehr fahren und erst die Werkstatt
konnte das altehrwürdige Gefährt wieder flott bekommen.
So kam es erst zu einem späteren Fototermin, wo ich meinen schwachbrüstigen Miniboliden
am Dorfrand inmitten einer intakten Natur zur Schau abstellte.
Ich war erstaunt, als ich hörte, dass das Equipment des Meisters 10000 Euro weit überstieg.
Für meine Fotokamera hatte ich seinerzeit nicht mal ein Hundertstel ausgegeben.
Seine Kamera, die starke Oberarmmuskeln benötigt, um in Stellung gebracht zu werden fand
meine Bewunderung.

Und auch der Umgang mit dem edlen Teil flößte mir Respekt ein.
Ganze 88 Fotos wurden geschossen und einige davon bietet nun der Meister auf einer
Internetplattform an.
https://www.chromorange.de/suche/ente
Anfang Juli fuhren wir wie jedes Jahr ins 60 Kilometer entfernte Gudensberg im
Schwalm/Eder-Kreis, wo die jährlich stattfindende größte Traktor-Oldtimer-PKW-und
Motorradschau zigtausend Besucher anlockt.
http://www.bulldog-club-nordhessen.de/
Wie gehabt, mussten wir viele Fragen der wissbegierigen Besucher der Ausstellung
beantworten.
Die meisten Besucher schätzten die Motorstärke des Wagens falsch ein.

Immer wieder betonte ich glaubhaft, wir hätten lediglich 27 PS und 600 ccm unter der roten
Haube und die Maximalgeschwindigkeit würde nur 100 km/h betragen, was so manch einem
ein mitleidiges Lächeln ins Gesicht zauberte.

Ende August entschlossen wir uns dann, mit unserem Gespann 10 Tage auf dem
Campingplatz im Flecken Frielendorf zu verbringen.
Die 85 Kilometer tuckerten wir in nur 4 Stunden und wir bekamen einen sehr schönen und
ruhigen Stellplatz, nur etwa 50 Meter vom öffentlichen Freibad und nur 30 Meter von den
Sanitäranlagen entfernt.
Die Chefin des Platzes war sehr rührig und ausgesprochen nett und aufgeschlossen uns
Vagabunden gegenüber.
https://www.camping-frielendorf.de/cms/
Auch ein Musikfestival besuchten wir eines Abends im Ort, was aber meinen Ohren wenig
Erbauliches zu Gehör brachte.
Heavy metal!
Dagegen klingt unser Traktormotor wie ein zärtliches Gesäusel .
Unser langjähriger Freund Detlef, dem wir sehr verbunden sind, besuchte uns auch für vier
schöne Sommertage.

Er hatte sich ganz in der Nähe in einer Ferienwohnung am Silbersee einquartiert und so
teilten wir miteinander zumindest am Tage das „lotterige“ Camperleben.
www.ferienpark-silbersee.de
Zu Dritt in unserer Koje zu nächtigen wäre allein aus Platzgründen unserem Gast gegenüber
nicht sehr rücksichtsvoll gewesen und unsere Hündin braucht nun mal lang ausgestreckt
auch mehr als nur eine Handtuchbreite.
In der Zeit seiner Anwesenheit genossen wir die kleinen Tagesausflügen mit seiner
Limousine und wir flanierten durch mehrere schmucke Innenstädtchen, die unweit des
Fleckens Frielendorf lagen.
Mit dem Traktor kann man halt keine großen Asphaltsprünge machen!
Eines schönen Mittags kam (natürlich schon lange zuvor angemeldet) eine schlanke, sehr
hübsche und mit einer imposanten Filmkamera und einem Puschelmikrofon bewaffnete
junge Frau auf uns zu.

Wir hatten uns an diesem Campingplatz verabredet, um uns miteinander im wahrsten Sinn
des Wortes filmisch näher zu kommen.
Sie war extra von ihrem Wohnort bei Leipzig hier her gekommen, um uns kennenzulernen
und einen Film über unsere Reisen mit dem Gespann zu drehen.
Die Youtuberin, Bloggerin, ehemalige TV-Schnitt- und Rechercheredakteurin,
Onlineredakteurin, Moderatorin und Vanlivereisende Katja Wolf hatte vor, auf ihrem Kanal
„Peace Love and Om“ einen weiteren Film über Aussteiger, ungewöhnlich Reisende und
„Entschleuniger“ zu drehen.

57000 Abonnenten zählte bisher ihr Blog.
https://www.youtube.com/peaceloveandom

Nach knapp zwei Stunden Drehzeit, die nicht gerade unaufregend waren und wo Katja fast
alle Ecken des Bauwagens (die Nottoilette mit eingeschlossen) gefilmt und das obligatorische
Interview im Kasten hatte, startete sie wieder die lange Heimreise und versprach, den
Streifen, nachdem er geschnitten war, online zu stellen.
Eine sehr bemerkenswerte, äußerst sympathische Frau, die ordentlich Eindruck bei uns
hinterließ.
Wir waren sehr gespannt auf das Ergebnis!
Wie im Fluge vergingen die zehn Tage, jedoch …
Irgendwie schien die Bremsanlage ihren Geist langsam aufzugeben.
Was blieb mir übrig, als verloren gegangene Bremsflüssigkeit wieder aufzufüllen und mit
größter Umsicht los zu tuckern.
Es erforderte mein ganzes Können, das Gespann mit halber Bremskraft jeweils rechtzeitig
zum Stehen zu bringen.
Jede Anhöhe oder Senke versuchte ich auf dem Nachhauseweg zu vermeiden und möglichst
auf ebenen Pisten zu bleiben.
Kurz vor der Haustür (bei uns geht es bergab) streikte die Fußbremse total und ich konnte
das Gespann gerade noch mit der Handbremse davon abhalten, in unseren Gartenzaun zu
rauschen.
Was nun?
Am nächsten Tag bemühte sich ein Altgeselle unserer geschätzten örtlichen
Raiffeisenwerkstatt vor unserem Grundstück um die funktionslose Bremse.
https://www.raiwa.net/mini-homepages/technik-center-hofgeismar
Heraus kam, dass ein Bremsschlauch perforiert war und nicht mal mehr ein Tropfen
Bremsflüssigkeit im Füllbehälter vorhanden war.
War ja auch inzwischen 35 Jahre alt. Verschleiß!
Darunter leide auch ich manchmal!

Nachdem Ersatz bestellt wurde, konnte zwei Tage später der lecke Druckschlauch und gleich
sicherheitshalber auch der zweite ausgetauscht werden. Nun endlich war ich in der Lage, unsere gute alte Tante Paula mittels vorne angehängtem
Traktor rückwärts in die Scheune zu schieben.
Zwei liebenswerte Nachbarn halfen dabei.
Geschafft!
Mitte September machte ich die Einladung der Kulturverantwortlichen des Kasseler
Stadtteiltreffs „Jungfernkopf“, der der dortigen evangelischen Kirche angehörte, wahr und
fuhr mit meinem Freund die 25 km am späten Nachmittag nach Kassel.
Meine Frau düste mit dem Auto uns voran.
Ich vermochte nicht sie zu überholen…

Ich hatte mal wieder eine Autorenlesung aus meinem 1. Abenteuerreiseband, die auch
mittels angebrachter Plakate in den Stadtteilen und per Flyer und Visitenkarten durch den
Veranstalter publik gemacht wurde.
https://stadtteiltreff-jungfernkopf.jimdo.com/

Es kamen zwar nicht sehr viele Besucher, aber dafür umso interessiertere Gäste in den
Nebenraum der Kirchengemeinde, was eine fast heimelige Atmosphäre zur Folge hatte und
mir große Freude bereitete.
Unser zwischen meinen Worten laufender Lichtbildvortrag tat ein Übriges und bei vielen Ahs
und Ohs der Besucher erkannte ich, dass die eineinhalbstündige Lesung wieder mal gut
ankam.
Für das nächste Frühjahr bekam ich die Zusage, aus meinem 2. Band hier lesen zu dürfen.
Doch noch etwas Betrübliches muss ich zum Schluss meines Jahresberichtes bemerken:
Schon auf der Heimfahrt von Kassel an diesem Abend bemerkte ich einen Kraftstoffverlust
anhand der Anzeige in meinem Cockpit.

Schnell war klar, dass sich weitere Zuleitungsschläuche verabschiedet hatten und unsere
rührige Landmaschinenwerkstatt stand nicht auf dem Schlauch und konnte umgehend mit
einem Ersatz dienen.
Nun werde ich noch bis Ende November mit unserem treuen Wegbegleiter Zetor mit dem
Saisonkennzeichen fahren können, mal zum kleinen Einkauf ins nahe Städtchen, mal zur
beschaulichen Sonntagstour ins herbstliche Bunt. Fazit dieses Jahres:
Einfach treckermäßig geil!
Mahatma Gandhi hat einmal gesagt:
„Es gibt Wichtigeres im Leben, als ständig dessen Geschwindigkeit zu erhöhen!“
Wir haben dem gegenüber nichts hinzu zu fügen.