So eine "Fundgrube" gibt es nur in Kyritz

Deutschland – 15.07.11

15. Juli

Ich werde erst um Acht munter. Hier im Bauwagen geht ja auch nicht ständig ab Sechs Uhr die Tür auf und zu und keine Krankenschwester will die Vitalwerte messen oder mir irgendwie anders auf den Zahn fühlen oder das Bett machen. Es nieselt. 13 Grad. Sommer! Wir rumpeln nach Wusterhausen auf den Wochenmarkt und holen uns dort eine schöne, weiße Orchidee.

So eine "Fundgrube" gibt es nur in Kyritz
So eine "Fundgrube" gibt es nur in Kyritz

Dann brausen wir die zehn Kilometer nach Kyritz und halten vor der Praxis von Frau Dr. med. Edda Rinno, der freundlichen Ärztin, die mich vorletzte Woche am Sonntag als Notfall behandelt und beraten hat. Die Praxis ist heute wegen einer betrieblichen Feier geschlossen, steht auf einem Schild. Barbara klingelt trotzdem. Die Ärztin kommt ans Tor gelaufen und nimmt freudig die Blume entgegen. So kann ich mich noch einmal bei ihr für ihre Hilfe bedanken und stehle mich nicht einfach so davon wie ein Dieb in der Nacht. Es war mir ein Bedürfnis. Wir erfahren von ihr auch, dass wir heute „groß“ in der Tageszeitung, der „Märkischen Allgemeinen“, Ausgabe „Kyritzer Tageblatt“ stehen.

Wir befinden uns im Landkreis Ostprignitz-Ruppin. Auf den Autokennzeichen liest man OPR. Nun aber nichts wie zum Krankenhaus hin, um meinen Aufenthalt zu bezahlen. Vor der Klinik gibt es einen Kiosk. Barbara kommt mit den zwei letzten Exemplaren lachend zurück. Der Verkäufer hatte sie schon vom Foto her erkannt. Wir zahlen an der Pforte die Rechnung, wo wir ebenfalls sofort auf den Artikel angesprochen werden. Auch die Ehefrau des Fleischers, der mit mir in einem Zimmer lag, begrüßt mich mit den Worten: „Wissen Sie schon? Sie sind auch in der Zeitung!“ Wir sitzen im Foyer der Klinik und jeder liest für sich.

Auf dem Kyritzer Wochenmarkt
Auf dem Kyritzer Wochenmarkt

Auf der Frontseite ein Farbfoto mit dem Hinweis auf den Innenteil. „Gemütlichkeit am Haken!“ lautet die erste Überschrift. Und dann auf einer Dreiviertelseite im Innenteil nochmals die Schlagzeile: “ Entschleunigt durch Europa!“ „Zwei Hessen parken ihr Privathotel samt „Zugpferd“ gerade in Wusterhausen!“ Wolfgang Hörmann, der leitende Redakteur aus Kyritz a. d. Knatter hat sehr gut recherchiert und einen schönen, runden Bericht daraus gemacht. An einer Stelle lesen wir: „Das Gespann ist gut und gerne 11 Meter lang, wovon die Zugmaschine den David verkörpert, der Wagen dafür den Goliath!“ Sehr gut beobachtet, Herr Hörmann! Im Moment fühle ich mich selber noch wie ein David und Barbara ist der Goliath. Meine körperlichen Kräfte haben durch das viele Liegenmüssen nachgelassen.

Wir besuchen dann noch die wunderschöne Altstadt und den Wochenmarkt in Kyritz, bevor wir gegen 13 Uhr wieder zum Campingplatz zurückeiern. Es gibt Kotelett, Salzkartoffeln und Kopfsalat. Ein Festessen für mich. Wir zahlen auch gleich unseren Aufenthalt hier am Platz. 11x eine Person, 3x zwei Personen. Unser 14tägiger Zwangsurlaub ist um. Morgen in der Früh wollen wir nach „Arendsee“ weiterfahren, etwa 100 Kilometer nur. Das liegt im nördlichsten Zipfel von Sachsen-Anhalt, dicht an den Landesgrenzen von Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen.

Tamara, unsere Tochter und ihr Ehemann Karsten aus Kassel kommen uns dann für zwei Tage besuchen. Wir haben uns zum letzten mal am Tag der Abreise gesehen, am 3. April. Ob sie gewachsen sind oder etwa eine neue Frisur haben? Ich freue mich auf die Begegnung am Samstagnachmittag und hoffe, dass es mir nicht gleich am ersten Fahrtag schlecht ergeht. Wenn ich erst wieder auf meinem Treckersitz hocke, bin ich wieder fit und vergesse alles Unangenehme, was hinter mir liegt.

Heute noch werden es über 100000 Klicks auf unserer Homepage sein. Ob wir dieses „Ereignis“ feiern sollen?

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