Deutschland – 17.07.11

17. Juli

Wir sind in den letzten Monaten durch Orte gefahren, die manchmal sehr kuriose Namen hatten und entweder sehr fremd in unseren Ohren klangen oder uns auch mitunter belustigten. Vor 23 Jahren, noch vor der Grenzöffnung, der “Wende”, habe ich mal eine sehr krause, profane Geschichte zusammengeschrieben, die bestimmt kein Meisterwerk war, aber mir damals einen sehr vergnüglichen Sonntag bereitete. Daher möchte ich es nicht versäumen, diese Unstory hier wiederzugeben:

Dieter Christian Ochs

VON NIEDERGEBISBACH BIS ZWEIBRÜCKEN

( Eine geografische Reise durch Deutschland/West )

Geschrieben 1988

Nicht immer, wie das Dorf IMMER im Bremer Land schwingt offener Stolz über den Wohlklang und die Bekanntheit eines FLECKEN ERDEN mit, wenn man bekennen muß, dass man in STREIT oder noch weiter AUSSEN seine RUHBANK hat.

Tja, in SCHÖNEBERG oder in KÖNIGSHEIDE , wenn man dort seine HEIMAT hätte …

Aber, so ist es nun mal, man stellt mit seinen ARGEN UNGEDANKEN schnell unreife Beziehungen zwischen den dort lebenden LEUTEN und dem NAMMEN ihrer WOHNSIEDLUNG her.

Nun sollte man keinesfalls die Redlichkeit und die besonderen Eigenschaften der in folgender DOMÄNE wohnenden Bewohner in Frage stellen.

Aus LEER und MACHTLOS, REICH und KALT, GEMEIN und GIEREND, GLATT und LIEBLOS, BREIT und LECKER, HART und FEUCHT lässt sich nur mit viel FANTAISIE etwas Handfestes ableiten.

Auch FILZEN, NIESEN, SINGEN, SCHEUERN, REDEN, JUCKEN, BRECHEN und KOTZEN lassen keine großen Rückschlüsse auf den Menschenschlag zu.

Als alte Huster werden sich sicherlich auch völlig gesunde alte Leute aus dem Ort HUSTEN bezeichnen und es ist gewiss nicht anstößig, wenn sich der Diakon in WARMEN als Warmer Bruder ausgibt.

In OB wird es auch in Zukunft keinen Oberbürgermeister geben, noch schlägt sich die Dorfjugend in AU, AUA oder BENGEL häufiger als in RUTENMÜHLE, NIEDERSCHLAG, HAUENDORF, SCHMERZ und OBERBÖSA.

Sehr viel ruhiger ist’s garantiert in SARGENZELL, TOTENHÜGEL, LEICHENDORF, GALGENBERG, TÖTENSEN und STERBFRITZ.

Von Schuldgefühlen geplagt oder eher auch nicht sind die Bürger von SCHULD an der Ahr.

Ebenso kann die Landbevölkerung von NIEDERGEBISBACH nichts dazu, dass es erst in der nächsten Kreisstadt einen Zahnarzt gibt.

Wer da glaubt, er könne in BILLIG oder OBERBILLIG sein Schnäppchen machen, irrt.

Die dortigen Geschäftsleute sind sich eher darüber EINIG, dass ein GELDBERG angehäuft werden soll.

Nun, wer da einen ORT oder ein DORF IM HOLZE oder im WALDECK sucht, wird sich garantiert in ALTENHOLZ, LAUB, LINDE, MOOS, BORKEN, BIRKEN, BUCHEN, EICHEN, ERLE, ESCHE, FÖHREN, OBERHOLZKLAU, RÜCKHOLZ, FORST oder AST wohlfühlen.

Wenn’s dagegen etwas höher sein darf, gerne auch in OBERAST oder in DRÜBER.

Völlig abgeschieden von ERDEN liegt BERGLICHT, WILDFLECKEN, EINÖD, DÜNNE REIHE, ENGELBRECHT’SCHE WILDNIS, SPECKSWINKEL, VERLORENWASSER, KNOCHENMÜHLE, MAUSWINKEL, DICKER TURM und RADBRUCH.

Dem Liebhaber der Aristokratie wird empfohlen, eventuell nach GRAFSCHAFT zu KOMMEN, fern von den Orten GROß VÄTER, OBERSCHWEINBACH und OBERSTOPPEL.

Dagegen sind sicher nicht immer alle rechte Christenmenschen, die da in ENGELN, NONNENMISS, MÖNCHEHOF, HIMMELPFORTEN, KIRCHSITTENBACH, GOTTSTREU, GOTTESGNADEN, GOTTESGABE, HEILAND oder HIMMELREICH wohnen.

Allein die Kinder fühlen sich wohlgeborgen in MÄRCHENLAND, DAGOBERTSHAUSEN, POSSEN, KLEINE KUH, LACHEN, WITZ, ABENTHEUER, WITZHELDEN und in HONIGSEE.

Im Ort HUJE, so weiß man, geht’s auch in der Regel nicht viel fröhlicher zu als in JUNGFERNHOF, OBERWANGENBACH und in FEUCHTWANGEN und KLEIN KUSSEWITZ.

Völlige Normalität herrscht dagegen in IRRENDORF, JUX und in MACKENHEIM.

Wie zu erfahren war, bekommt man ECHTE Kleidung in BLEIWÄSCHE, SAUSEIFEN, GRAUE, OSTERSEIFEN, SAND und BLEICHE mit normalen SEIFEN genau so sauber wie in GROßSEIFEN.

Durch die BRILLE betrachtet, ist BLINDHEIM ein recht sehenswerter FLECK.

Wer es farbiger liebt, ist ganz sicher in ROT, MITTELROT, GRÜNKRAUT und SCHWARZ gut aufgehoben, nicht nur in ABEND.

Und ältere Bürger, deren Orientierungssinn vielleicht nicht mehr der beste ist, werden ihr Dorf ganz bestimmt in OSTEN, IM WESTEN, WESTEN oder NORDEN finden.

Nur NACH Süden dürfen sie sich nicht WENDEN.

Diesen Ort gibt es tatsächlich nicht.

Wie man vernehmen konnte, soll es in PAAR und GUTENPAAREN noch einen ÜBERSCHUß an Junggesellen geben.

In EINIG streiten sich die Leute genauso viel wie anderswo.

Wer da gedacht hat, PECH, QUAL, UNGNADE, SCHREILOCH, BÖS GESÄß, MENSENGESÄß und EIDENGESÄß lägen dicht beieinander liegt falsch.

Eine Tagesreise oder mehr wäre zu ERBRINGEN, um alle DÖRFLEIN auf einmal zu besuchen.

Auch die Tierwelt hat sich in einem großen TIERGARTEN breitgemacht.

AALEN, HUNDEN, MADEN,SCHLANGEN, OTTER, REHE, ASSELN, FISCH, LÖWEN, MÜCKE, IGEL, HAHN, HAMMEL, ERPEL und KATZEM sind nur einige der bekannteren Tiernamen-Orte.

Alle Genannten liegen aber weit entfernt von SCHWEINEINSEL,SAUHEIM und OCHSENKOPF.

Küchenfeste Ortsnamen, ja, so etwas soll es auch geben sind weniger vertreten.

Doch kann man durchaus eine SCHÖNE AUSSICHT haben auf die Orte FETTE HENNE, KÜCHEN, GRIES, SALZ, KLEINKUCHEN, KNOBLAUCH/Brandenburg, MANDELN, ESSIG, FREIGERICHT, SPECK, ERBSEN, LINSENGERICHT und OFEN.

Richtige Handwerker sollten stets HAMMER, NAGEL, genügend HEBEL und einen BLECHHAMMER bereithalten.

Angehende Feuerwehrleute MÜSSEN bevorzugt in BRANDLEBEN, BRANDHOLZ, FEUERSCHEID, HITZACKER/Elbe und ASCHE oder in RAUCHFANGSWERDER/Berlin ausgebildet werden.

Über einen UMWEG kann man auch den Flecken DICKE TANNEN erreichen.

Man fährt dann aber kürzer über TANZFLECK und REGEN und nicht auf GUT GLÜCK.

GEMEIN wäre es, schickte man einen Alkoholiker nach ASBACH oder RUM KOGEL.

Namen wie MEUCHEFITZ, UNSER FRITZ, MERKENFRITZ, MIDDEFITZ, HICKERSTALL oder FROTZERSRICHT kann man nur mit viel FANTAISIE etwas abgewinnen.

Ich bin der Achim aus ACHIM wird manch einer sagen können, der da wohnt, wie auch der ALF, der ERNST, die ULLA, die LOTTE, der HORST, der GOTTHARD und die DORA..

Kirchliche Namen findet man in OBER-OSTERN, NIKOLAUSDORF, PFINGSTBERG und CHRISTERODE.

Eher unchristlich soll es in NEUWIRTSHAUS, KALTE SCHÄNKE, GROßZECHER, EKEL, KLEIN ZECHER, HINTERM REIHERHOLZ und in OBERKOTZAU zugehen.

Dagegen gibt uns AHA, ein kleines Dörfchen in Oberbayern genauso viele Rätsel auf wie die Nester IHN, MEINE, OY ,EINEN und OHA.

Die nackte SCHAMHAUPTEN/Oberpfalz treibt’s einem auf die STIRN, wenn man als Reisender nach der WEGSCHEIDE nach RAMMELBURG, PUFFENDORF, EICHELBERG, EICHELSCHWANG, JUNGFERNHOF, HODENHAGEN, SACK, NUTTLAR und GAILDORF oder nach den Örtchen NACKTERHOF, MÖSE, SCHEIDCHEN, PFLAUMLOCH, SCHLITZ, KAKELDÜFT, PISSEN, LOCHERHOF, HAMMERBRÜCKE, GROßDINGHARTING, LAPPERDING, PETTING, LANGHOLZ, BUSENBORN, FICKMÜHLE, VORHOF, SPALT, SACKWITZ, WIXHAUSEN oder VÖGELSEN fragt.

Doch… Namen haben bekannterweise meist einen ganz anderen URSPRUNG.

So trifft es nicht zu, dass es in HIMMELPFORTEN einen Pförtner gibt, der das HIMMELREICH aufschließt.

Genau so wenig wird in KLEIN KRAMS nur Trödel angeboten.

GLÜCKAUF wünscht man sich auch in PECH, friedliche Hunde laufen in BELLER herum und SONNEN kann man sich auch in NEBEL.

In WAMPEN gibt es Dünnbäuchige wie anderswo .

In BAUERNSIEDUNG und MASCHINENHAUS wird’s beim Fußballspiel nie zu einem BÖSEN ABSTOß kommen.

In ALTE SORGE entstehen jährlich NEUE HÄUSER, baugeplagte ELTERN können das in vielen VERSEN ausdrücken.

Wie man hört, LAUFEN in HAAR auch Glatzköpfige herum, in GEFÄLL geht’s steil bergauf, in GEBIRGE stetig bergab und in BERGE ist es völlig eben.

In ARMENHOF findet man gut Betuchte und auch so manchen HABENICHTS und in REICH/Hunsrück nimmt der Fortschritt nur langsam seinen LAUF, bis auf wenige SPECKER.

Auch im größten SOMMERLOCH verzeichnet WINTERBERG im Sauerland einen starken Andrang an Touristen.

ALTENKLITSCHE in der Oberpfalz überlegt sich schon seit LANGEN, ob man nicht besser NEUE HÄUSER oder zumindest ein VORDERHAUS bauen sollte.

Ein offenes OHR findet auch derjenige, der in den alten GASSEN von KRUMMENGRABEN von KUMMER geplagt einen ROSENGARTEN in seinen BESITZ nehmen will.

HINTERM BERGE/Krs. Osnabrück ist man garantiert nicht, wenn man einen ANKER auf den MITTELSTRICH der GASSE wirft, um in RAPPELSDORF über die STRASSE zu kommen.

Der Luftkurort FEGEFEUER/Melsdorf, sowie auch die Orte LÜGE, HÖLLE und HEIDEN hegen keine böse Absichten gegenüber CHRISTDORF, HIMMEL und LIEBEROSE.

In HERRENHOF ist man schon seit jeher von den vielen FRAUENZIMMERN im ORT fasziniert.

Wem es jetzt mit dem Aufzählen der Orte zu hektisch geworden sein sollte, findet eventuell in ZUFLUCHT seine HEIMAT.

Genau so gut könnte er auch in LEER, STILLAU, WOCHENENDHÄUSER, BETTEN, BETTENHAUSEN, EINWINKEL, AUSLEBEN, VERLORENORT, GESUNDBRUNNEN/Hofgeismar, EINÖDE, END/Rhein, EINSIEDELEI oder FAULER ORT HAUSEN.

Es ist fast nicht zu glauben, dass KLEIN AMERIKA, AMERIKA und NEUAMERIKA keine Berührungen mit NEUE WELT/Osteel, und NEUHOLLAND/Kassel haben.

Soweit liegen diese Dörfer und STADTRANDSIEDLUNG doch gar nicht voneinander entfernt.

Um bis zehn zählen zu können, gibt es ein ganz einfaches HILFERDINGSEN, und zwar :

EINKIND, ZWEIBRÜCKEN, DREILEBEN, VIERLINDEN, FÜNFEICHEN, SECHSHELDEN, SIEBENECKEN, ACHTHÖFEN, NEUNKIRCHEN und ZEHNSTELLE.

Darüber hinaus sollen die Orte ELFBUCHEN, ZWÖLFHÄUSER, VIERZEHNHEILIGEN, SECHZEHNEICHEN, DREIßIGACKER und VIERZIGSTÜCKEN nicht unerwähnt bleiben.

Wem es jetzt noch nicht reicht, mag sich selber mal in ruhigen ZEITEN nur für ein ZEHNTEL meiner Zeit, die ich mit Recherchieren verbracht habe , hinsetzen und dieses MÄRCHENLAND vervollständigen.

Man wird ganz FRÖLICH in seinem DENKHOF !!!

Anmerkungen von Dieter Christian Ochs zur Kurzgeschichte: Fast eine Woche lang war das Postleitzahlenbuch meine “Bibel” und der Straßenatlas mein “kleiner Katechismus”. Zuerst dachte ich, das ist doch alles Quatsch, was ich da vorhabe zu schreiben. Wie recht ich hatte! Ich habe jedoch unheimlich viel Spaß an dieser “Fleißgeschichte” gehabt und konnte mich wunderbar entspannen dabei. Ach ja, den Ort Kuhbrücke im hohen Norden des Landes vergaß ich zu erwähnen. Diese Reise hätte unheimlich lang werden können, doch muss man irgendwo mal einen Punkt setzen.

Das tue ich JETZT … Punkt.

Soweit, so gut! Jetzt wieder zum Aktuellen.

Frühstück mit der Familie
Frühstück mit der Familie

Heute ist Sonntag. Wir werden wie immer gegen 7 Uhr wach, gehen uns duschen und bereiten für uns Vier das Frühstück vor. Doch die Kinder haben wohl sehr viel Schlaf nachzuholen. Ich gieße unsere drei Blumenkästen und vertreibe mir die Zeit mit Gesprächen mit den Nachbarn, die ebenfalls Frühaufsteher sind. Es geht schon auf zehn Uhr zu. Die Kinder trotten müde an. Ich bin schon seit Acht am Verhungern und stürze mich gierig auf das leckere Steinofenbrot, das die Kinder gestern aus Kassel mitgebracht haben. Wir frühstücken sehr ausgiebig, ganz entgegen unseren Gepflogenheiten. Dann drehen wir eine kleine Runde um das Areal des schönen Campingplatzes. Im Nu ist es Zwei Uhr und es heißt leider wieder Abschied nehmen. Ich mache noch schnell ein paar Fotos von unserem schicken, schwarzen Chrysler, bevor wir unsere Taschentücher zum Nachwinken herausholen und etwas traurig wieder im Bauwagen verschwinden. Der Nachmittag verläuft dagegen sehr ruhig. Wir legen uns zum ersten Mal seit Beginn unserer Reise für eine gute Stunde auf unser Himmelbett und schlafen prompt ein.

Wir schlendern zum Imbissstand auf dem Platz. Jemand bestellt eine „Schmorwurst.“ Wir werden neugierig und bestellen dasselbe. Die Überraschung lässt nicht lange auf sich warten. Was wir da in die Hand gedrückt bekommen ist eine ordinäre Rostbratwurst. Nur hier heißen sie eben Schmorwurst. Und…sie schmeckt vorzüglich. Seit Mitte März haben wir keine Bratwurst mehr gegessen, da es diese Leckerei in allen anderen europäischen Ländern nicht gibt.

Ich werde ständig daran erinnert, dass ich noch lange nicht gesund bin. Eine merkwürdige Müdigkeit steckt mir in den Knochen. Ich muss in den nächsten Tagen noch kürzer treten und darf nicht mehr so viele Stunden am Tag fahren.

Am Abend fährt der eine nette Mitarbeiter, mit dem wir schon mehrmals guten Kontakt hatten bei uns vor, um uns auszurichten, dass Morgen früh um Acht ein Journalist der Altmark-Zeitung kommen wird, um uns zu interviewen. Wir verteilen noch einige Prospekte und Flyer an interessierte Campingnachbarn und befinden uns schon um Zehn im tiefsten Schlaf.

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