Gasthaus im Schwarzwald

Deutschland – 06. September

Nachdem wir ordentlich gefrühstückt haben verlassen wir den freundlichen Campingplatz in Kandern bei der ersten Morgensonne, die uns bei der Weiterfahrt nordwärts von rechts in die Kabine scheint und die kalten unteren Gliedmaßen etwas wärmt. Der Treckerboden ist zu allen Jahreszeiten sehr kalt, da es viele offene Stellen und Ritzen im Bodenbereich gibt, die zwar alle ihren Sinn haben, aber für Langstrecken eher störend sind. Doch alten Hasen wie uns kann so was nicht groß erschüttern.

Auch im "Markgräflerland" geht's manchmal bergab
Auch im "Markgräflerland" geht's manchmal bergab
Gasthaus im Schwarzwald
Gasthaus im Schwarzwald

Wir sind mitten im Schwarzwald, der uns aber weitaus weniger dunkel begegnet, als der Name aussagt. Überall saftiggrüne Wiesen, aufgelockert durch kleinere Mischwälder, Bachläufe und überschaubare Bergkuppen. Keine Schluchten, keine Pässe, keine Spitzkehren und keine rauchende Fußbremse mehr. Das wechselnde Licht von Sonne und Schatten verführt immer wieder dazu, sich die schönsten Fotomotive heraus zu suchen. Durch folgende Orte mit zum Teil lustigen Ortsbezeichnungen fahren wir: „Käsacker“, Schallsingen“ und „Sitzenkirch.“

65 Kilometer sind es bis Bad Krozingen, wo die gute Petra, meine langjährige Brieffreundin auf uns wartet. Es läuft alles glatt an diesem Tag und wir genießen die wunderschöne Aussicht auf die blühende Landschaft von unseren erhöhten Treckersitzen. Apfel- und Birnbäume, deren Äste sich fast bis auf den Boden biegen sind hier vorherrschend. Und Weinberge natürlich. Weinberge zur Linken, Weinberge zur Rechten und Weinberge vor uns.

Hier in der klimatisch begünstigsten Ecke Deutschlands in der Nähe des Kaiserstuhles gedeihen sogar mitunter Pfirsiche und Aprikosen. Auch der Mais steht hier besonders kräftig auf dem fruchtbaren Boden. Wir „düsen“ an der Peripherie des „Markgräfler Landes“ entlang.

Ein tolles Ländle, dieses südliche Baden-Württemberg. Oder genauer: Baden. Und so sauber! Obwohl die Tagesstrecke überschaubar ist, dauert es doch seine Zeit, bis wir Bad Krozingen erreichen. Es ist schon nach Zwölf und wir haben mit Petra verabredet, dass wir uns auf irgendeinem Parkplatz in der Stadt hinstellen sollen, wo sie uns dann aufsuchen will. Bei „ALDI-Süd“ finden wir die geeignete Parkfläche und nach 10 Minuten kommt ein silberner Golf angefahren, wo zwei dunkle Köpfe herausschauen. Die Begrüßung verläuft ausgesprochen herzlich.

Bad Krozingen in Sicht
Bad Krozingen in Sicht
Des isch sie,  "moi Mädle" ussem Badische
Des isch sie, "moi Mädle" ussem Badische

Wir sind uns heute zum ersten Mal begegnet. Ihre dreizehnjährige Tochter Lisa ist ein bildhübsches Mädel mit langen, dunklen Locken und lebhaften, ausdrucksvollen Augen, die wir ebenso wie die Mutter sofort ins Herz schließen. Beide vermitteln uns deutlich, dass sie sich sehr über unseren „Blitzbesuch“ freuen. Lisa steigt zu mir in den Traktor. Petra fährt mit Barbara voran und nach 27 Ecken stehen wir am Stadtrand von Bad Krozingen vor dem schmucken Zweifamilienhaus, wo sie wohnen. Eine sehr, sehr schön eingerichtete Wohnung wird uns präsentiert. Alles wirkt sehr gemütlich und der Wohlfühlfaktor ist sofort spürbar. Petra selbst ist eine sehr warmherzige, intelligente Frau mit sehr viel Humor und einer einprägsamen, wohltuenden Stimme, die „leicht“ schwäbelt.

Es klingt niedlich, wenn sie spricht. Wir laden beide in ein Gasthaus, das gerade gegenüber ihrer Wohnung liegt zum Mittagessen ein. Ich bestelle mir, na was denn wohl, „Maultaschen“, gefüllt mit Spinat. Darauf habe ich mich schon wochenlang gefreut. Nach einiger Zeit müssen wir aber weiter, um den Campingplatz in Freiburg am „Möslepark“ an der Waldseestraße 77 aufzusuchen. Dort werden wir, oder besser gesagt Barbara sich ein paar Tage aufhalten (müssen), da ich ja stationär in die Freiburger Uniklinik aufgenommen werden möchte. Es gibt Gott sei Dank einen verlängerten Wiesenplatz auf dem in wunderschöner Landschaft eingebetteten Campingplatz, auf dem wir auch völlig gerade stehen können. Zumindest zeigt uns unsere kleine Wasserwaage an, dass der Wagen nicht umzukippen droht. Das Besitzerpaar ist sehr entgegenkommend, kompetent und einfach riesig nett. Da haben wir es ja wieder einmal richtig getroffen mit der Auswahl des Platzes. In der Rezeption kann man einige Dinge des täglichen Lebens einkaufen. Ein dazu gehörendes Restaurant befindet sich angrenzend, sowie ein Waldsee, auf dem man Boot fahren kann. Die sanitären Anlagen sind gut gewartet und die Wege zwischen den Stellplätzen mit weißem Grobkies belegt. Der Platz ist noch gut belegt mit internationalen Gästen. Engländer, Schweizer, Spanier und Holländer sind außer den übrigen Deutschen unsere Nachbarn.

Ist Lisa nicht ein bildhübsches Mädel ?
Ist Lisa nicht ein bildhübsches Mädel ?

Ein über 80jähriges Paar aus Dresden mit einem älteren Wohnmobil nötigt mir Respekt ab. Die beiden rüstigen Alten waren doch tatsächlich mit einem gemieteten Wohnmobil in den letzten Jahren in den USA, Kanada, Neuseeland, Sri Lanka und Australien unterwegs und haben weitere große Reisen geplant. So fit möchte ich auch mit 80 Jahren noch sein und dann vielleicht mit einem Rasentraktor wie einst der Amerikaner, von dem es auch einen Kinofilm gibt, durch die Lande ziehen. Mit 80 wird man mir diese Torheit sicher verzeihen. (Außer meine Kindern vielleicht) Oder ich spurte mit einem Einachser-Traktor und einem Hänger alleine durch die sibirische Taiga. Barbara darf ich von meinen Gedanken leider nichts erzählen. Vielleicht ergibt es sich aber, dass wir noch einmal zusammen eine größere Reise mit einem ungewöhnlichen Gefährt unternehmen. Doch…in ein U-Boot bekomme ich sie nicht rein und zum Mond in einer Raumkapsel… Na ja! Eher würde sie mich manchmal allein zum Mond schießen oder sonst wohin, wo der Pfeffer wächst.

"Mauldasche-Sitzung"
"Mauldasche-Sitzung"

Zurück zur Gegenwart. Wir richten uns in unserem Wagen häuslich ein und fahren hinunter in die 210000 Einwohner zählende Stadt, um einzukaufen. Kein Geschäft ist in Sicht und wir irren zunächst am Stadtrand ohne Orientierung entlang. Nach Befragen in einer Bäckerei bekommen wir dann eine Wegbeschreibung und finden auch einen Markt. Unser erstes „richtiges“ Mischbrot seit über sechs Wochen schmeckt so gut, dass jeder von uns zwei dicke Schnitten mit Mett belegt auffuttert.

Wir sind einfach ausgehungert nach deutschem Brot, was andere Globetrotter, die sich eine Weile im Ausland befunden haben betätigen können. Nirgendwo anders wird so gutes Brot gebacken wie in Deutschland. Finnland einmal ausgenommen, wo es (fast) ebenso gut schmeckt, wenn man das runde Steinofenbrot kauft. Barbara lässt sich in der Freiburger Universitätsklinik in der urologischen Abteilung einen Behandlungstermin für mich für den nächsten Morgen geben. Ich bin mehr als aufgeregt, was dann bei der Erstuntersuchung herauskommt. Mehr als eine finale Notschlachtung dürfte es aber nicht werden. So schlafe ich mit schweren Gedanken unter dem Prasseln des Regens und dem Toben des Sturmes draußen erst sehr spät ein. Ein neues Kapitel auf unserer Abenteuerfahrt wird spätestens am morgigen Mittwoch aufgeschlagen. Doch was mich nicht umbringt…

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