Der Campingwirt Juha Hannula vom "Marjolahden Loma"

Finnland – 30.05.11

30. Mai

Mein "Arbeitsplatz"
Mein "Arbeitsplatz"
Am Kyyvesi, dem Schlangensee in "Haukivuori"
Am Kyyvesi, dem Schlangensee in "Haukivuori"

Um das drohende Autobahnteilstück um Kuopio zu umgehen, entscheiden wir uns für eine Nebenstrecke, die auch nach Süden führt. Mir fällt die LKW-Marke „SISU“ heute besonders auf, weil sie mir völlig unbekannt ist. Auf der Bundesstraße Nr. 9 lässt es sich sehr gut kutschieren. Wenn nicht die Steigungen wären. Finnland ist im Süden nicht eben, wie wir dachten. Es geht sanft auf und ab, aber mich nervt diese Wellenbewegung. Wir düsen über „Pitkälahti“ und „Vehmaslahti“ nach „Suonenjaki“, wo wir auf eine noch kleinere Straße einbiegen.

Es regnet nicht, es schüttet. Die ganze Fahrt. Dafür sehen die Bäume und Wiesen noch grüner und frischer aus. „Pieksämäki“ ist der nächste größere Ort, wo wir tanken können. Wir hatten nur noch vier Liter Diesel im Tank und das ist schon nahe an der Grenze, wo es beim Dieselmotor kritisch werden kann. Der Kraftstoff kostet inzwischen nur noch 1,33 Euro pro Liter.

Einen Ort, der zwar unbedeutend ist, aber für mich doch erwähnenswert, weil er so „putzig“ geschrieben wird heißt „Kaärkkäähä.“ „Carlsdorf“ ist leichter auszusprechen. Nordmanntannen begleiten uns stundenlang, kerzengerade und in Reih und Glied stehend wie in einer Riesenschonung. Ob es in Südeuropa „Südmanntannen“ gibt?

Wir wollen eigentlich nicht nach „Mikkeli“ auf den großen Campingplatz. Das wären 158 km. So vertrauen wir auch heute auf Freund Zufall und tatsächlich, ein Schild weist auf einen privaten Platz drei Kilometer neben der Straße hin. Wir zuckeln mit 5 km/h entlang. Da ist der gesuchte Platz. Eine ehemalige Volksschule, die mitten im Wald steht und nun seit 15 Jahren als umgebautes Restaurant mit Gästezimmern von dem 64jährigen Juha Hannula allein betrieben wird. Aus gesundheitlichen Gründen will er alles so bald als möglich verkaufen. Er hat eine bösartige Krankheit, die man ihm auch ansieht. Alles ist sehr sauber hier und aufgeräumt. Ein fleißiger Mann, dieser Juha. Ein kleiner Vorplatz auf der hohen Rasenfläche dient der Aufnahme der wenigen mobilen Gäste, die sich hierher verirren. Das kleine Paradies hier nennt sich „Marjolahden Loma“ und schließt direkt an den Schlangensee (finnisch: Kyyvesi) an, der eine Ausdehnung von 20 x 15 Kilometern hat.

Der Campingwirt Juha Hannula vom "Marjolahden Loma"
Der Campingwirt Juha Hannula vom "Marjolahden Loma"

Der Ort, den wir uns für die kommende Nacht ausgesucht haben, nennt sich „Haukivuori“ und hat eine schöne, alte Holzkirche aus Holz, die wir, wie auch den alten Friedhof besichtigen. Der Besitzer des Grundstückes schenkt mir spontan an der Theke ein paar Fotos von ihm, der Gegend und von anderen Feriengästen aus früheren Jahren. Er bekommt natürlich eine Einführung von mir über unsere Heimat und ausreichend Flyer. Er spricht ein fast akzentfreies Deutsch, da er mal in den späten Sechzigern in Wolfsburg zwei Jahre gearbeitet hat. Als ich wieder die Gaststätte nach unserem Plausch verlassen will, fragt er mich, ob ich Zander mag. Ich nicke wohl zu heftig. Da holt er aus seiner Tiefkühltruhe ein größeres Stück Zanderfilet hervor und schenkt mir diesen seltenen Leckerbissen. Am Abend, nach dem wir den feinen Fisch mit Genuss verspeist haben, gehen wir noch einmal rüber in die Gaststätte und trinken ein finnisches Bier. Es schmeckt köstlich. Ein Glas zu 0,33 l kostet aber stolze 3,70 Euro.

Der Fernseher läuft in der Gaststube und wir sehen nebenbei eine deutsche Vorabendserie, sehen aber finnische Untertitel. Wir Deutschen sind verwöhnt und müssen uns nicht anstrengen beim fernsehen. Wir haben schon fast zwei Wochen lang keinen Fernsehempfang. Auch übers Radio bekommen wir keine deutschen Nachrichten rein. Wir hätten einen neuen Wirtschaftsminister, entnehme ich dem finnischen Nachrichtensprecher. Wer es aber ist, hören wir leider nicht heraus. Ob unser Bürgermeister wohl einen weiteren Traum verwirklicht hat??

Es ist so still hier im Wald. Man hört nur den Wellengang des Sees, das Rauschen der hohen Birken über uns und Vogelgezwitscher. Dies allein entschädigt uns für die heutige Siebenstundenfahrt.

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