Mein Freiluftarbeitsplatz an der Sonne

Frankreich – 06.08.11

6. August

Neun Uhr und wir räkeln uns noch dreiundvierzig Mal, bevor wir den nicht vorhandenen Federn entweichen. Ausgeschlafen holt Barbara das gestern noch bestellte Baguette von der Rezeption ab. Das duftet vielleicht?! Der Himmel zeigt sich leider bedeckt, aber es sind sechsundzwanzig Grad und wir bewegen uns in leichter Kleidung. Dann regnet es, hört wieder kurz auf und regnet dann den ganzen Tag mit wenigen Unterbrechungen weiter. Die Loire füllt sich zusehends mit dem Himmelsnass und die Grätenträger brauchen nicht zu befürchten, dass sie vertrocknen. Unser Platz, den wir für zwei Tage einnehmen hat die Bezeichnung „ Camping de la Chevrette“, was immer das heißen mag. Leider hat sich meine Sprachunkenntnis im Französischen auch nach einer Woche noch nicht verbessert. Ich kann noch nicht mal sagen:“ Hätten Sie bitte vielleicht noch einen winzigkleinen Restbestand von dem kräftigen roten Burgunder aus dem Jahr 1977 in ihrem Weinkeller aus der Gegend um „Bourbon-Lancy“ und eventuell eine alte Plastiktüte zum Einpacken, Monsieur?“

Mein Freiluftarbeitsplatz an der Sonne
Mein Freiluftarbeitsplatz an der Sonne
Verborgen hinter Hecken...
Verborgen hinter Hecken...

Aber es geht auch so und die Franzosen können ausgesprochen lebhaft gestikulieren, so dass es keine verknotete Verbalität braucht. Da der Trecker ja schon gestern abgehangen ist, können wir ohne großen Aufwand zum Einkauf und Bummeln ins Städtchen tuckern. Es ist gerade Volksfest, aber die Straßen sind bei dem Mistwetter fast gänzlich leer. Nur ein paar Unerschrockene flanieren mit einem Schirm bewaffnet von Laden zu Laden. Als ich in ein Schaufenster blicke, sehe ich uns beide, wie wir mit eingezogenem Kopf daher schleichen. Aber es gibt auch Schauerunterbrechungen, die es ermöglichen, zu fotografieren. Wir suchen nach einem elektrischen Einplattenkocher, da wir befürchten müssen, dass unsere Gasvorrat, den wir schon seit dem 3. April aus einer einzigen 11-Liter-Flasche entnehmen bald zur Neige geht. Und am Kochen wollen wir partout nicht sparen. Mit dem Baden heute im angeschlossenen Freibad wird es wohl nichts werden. Ich gehe online und stelle fest, dass mich das Netz alle 20 Minuten wieder heraus wirft. Es ist daher sehr, sehr mühselig, Bilder in den Blog zu laden. Und das geht auch nur draußen auf dem Campingtisch ohne störende Wände mit Zuhilfenahme eines großen Regenschirmes, der den Läppi vor Nässe schützt. Zwischendurch hocke ich auch mal zwei Stunden mit dem Laptop auf dem Lenkrad im Trecker. Doch auch die erhöhte Sitzposition hilft nichts. Emails gehen schon gar nicht auf die Reise. Verflixt noch mal! Und dabei wirbt der Platz mit Wlan-Anbindung auf allen Stellplätzen. Zwei Stückchen feinste französische Biskuittorte können da nicht trösten. Heute Abend haben wir die eine Zucchini aus dem Garten meines Schwagers mit etwas frischem Gehackten zusammen in einer Pfanne verarbeitet und dazu Kartoffelbrei gegessen. Nun gut, es gibt vielleicht Besseres, aber der Hunger trieb’s rein.

Flusswanderung
Flusswanderung
Das Wetter wird auch am Abend nicht besser und es stürmt und ein Schauer nach dem anderen geht herunter. Ich hoffe nicht, dass es Morgen, am Sonntag, auch so stark regnet, denn wir wollen weiter fahren. Nach Lezignan, der Partnerstadt Lauterbachs sind es immer noch 620 Kilometer und ich wollte zur Monatsmitte dort unten sein, um ein paar Tage dort länger zu verweilen. „Carcassonne“ und „Narbonne“, die in der Nähe „Lezignans“ liegen sollen auch sehr sehenswerte Städte sein und das Mittelmeer und die spanische Grenze sind auch nur eine Schleppertagesfahrt davon entfernt. In der Nacht schüttet’s wie aus Kübeln und der schwere Regen entwickelt eine solche Lautstärke auf dem Bauwagendach, dass man das eigene Schnarchgeräusch nicht mal mehr hören kann.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Gedanke zu „Frankreich – 06.08.11“

  1. „Und am Kochen wollen wir partout nicht sparen.“
    … und das ist auch gut so!
    Genießt die französische Küche, und die schöne Landschaft. Wenn ihr erst wieder hier seid, hat der Alltag euch bald wieder und ihr könnt nur noch in Erinnerungen an die Erlebnisse schwelgen.

    LG Volker

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