Frankreich – 14.08.11

14. August

Ich habe eine relativ schlechte Nacht gehabt, da mich meine innerliche Behinderung nicht zur Ruhe kommen ließ. Das morgendliche Duschen dagegen weckt wieder alle meine Lebensgeister. Letzten Sonntag sind wir von „Digoin“ aufgebrochen und eine ganze Weile an der stillen Loire entlang gefahren. Wenn wir uns gegenseitig in Erinnerung bringen wollen, wo wir z.B. am Sonntag vor 14 Tagen gewesen sind, müssen wir unser Tagebuch zu Hilfe nehmen. Zu oft haben wir die Plätze gewechselt und man hat nicht mehr jeden Tag im Kopf. Nun leben wir schon den fünften Monat in unserem Bauwagen und ich muss sagen, ich vermisse auf keinen Fall unser Eigenheim Zuhause. Ich könnte noch Monate weiter wie ein Vagabund leben, doch Barbara zieht es nach Hause. Sie hat auch die größten Bedenken, dass ich es unbeschadet bis zu einer Klinik an der deutschen Grenze schaffe und dass der Trecker und der Bauwagen diese weite Strecke, die wir noch vor uns haben, packt. Nun ja, da pflichte ich ihr insgeheim bei. Wenn einer eine Reise tut…

So schön kann die Welt sein
So schön kann die Welt sein

Abenteuerurlaub? Ja! Wir haben später einmal viel zu erzählen von unserer Lebensreise und unser Leben selbst mit dieser ungewöhnlichen Fahrt sehr bereichert. Heute will Barbara alle Fenster und Rahmen putzen, ein wenig Handwäsche machen, die Toilettenecke aufräumen und den Fußboden wischen. Ich würde ihr gerne dabei helfen, doch das Bücken ist für mich immer mit Schmerzen verbunden. Noch! Gestern Abend haben wir noch einen Nachbarn mit Zelt bekommen, ein älteres französisches Paar. Nun ist nur noch ein einziger Platz uns schräg gegenüber frei. Und der wird auch schon am frühen Sonntagmorgen mit einer Wohnmobilfamilie belegt. Nun sind wir eingekreist und die Schatten der anderen Wohnmobilisten fallen auf „unser Grundstück.“ Ich werde mich auf den schmalen Streifen Wiese gegenüber setzen müssen, um die von mir so geliebte Sonne in ausreichendem Maß abzubekommen.

Nun will ich wissen, wie weit wir von meiner Geburtsstadt „Lauterbach im Vogelsberg/Oberhessen“ entfernt sind. Das Navigationsgerät rechnet das in 14 Minuten präzise aus, natürlich unter Umgehung der Autobahnen und Schnellstraßen. Es sind „nur“ gerade mal schlappe 1111 Kilometerchen, die wir auf einer A…Backe abrutschen werden. Wenn keine weiteren Pannen kommen. Bis zur Nordkapspitze in Norwegen, wo wir am 18. Mai gewesen sind wären es nach Navi exakt 4480 Kilometer. Das wären circa 7 Wochen, wenn wir dahin nach einmal zurück fahren wollten. Aber wir haben genug Eis und Schnee im Spätfrühling gesehen und es ist uns eher nach Meer zumute und südliche Sonne.

Frankreich...weites, schönes Land !
Frankreich...weites, schönes Land !

An dieser Stelle möchten wir uns wieder einmal ganz, ganz herzlich für die vielen, lieben Mails und die aufbauenden Kommentare auf unserer Homepage bedanken. Es ist unglaublich, wie viele Menschen sich an unserer Reise bisher beteiligt haben und mit uns mitfiebern. Danke, danke, danke!!! Letzte Woche konnte ich über 120000 Klicks vermerken. Und das in nur fünf Monaten. Ich würde so gerne jedem gleich geantwortet haben, aber bedingt durch das häufig schlechte Netz, das immer mal wieder abbricht, kann ich gerade mal nur auf die Schnelle meine neuesten Tagesberichte und einige Fotos hoch laden und eventuell Mails empfangen.

Zwangsrast in den Bergen...die Bremsen wurden zu heiß
Zwangsrast in den Bergen...die Bremsen wurden zu heiß

Zum Mittag gibt es lange Nudeln mit magerem Speck, Eiern und einer Tomatensoße. Die Sonne scheint nicht ganz so mächtig wie gestern, doch 28 Grad werden auch heute schon um 11 Uhr erreicht.

Die Landkarte im größeren Maßstab, die wir uns gestern in einer Buchhandlung besorgt haben, zeigt nach Süden hin nur noch Gebirge an. Von Grün auf der Karte ist weit und breit nichts zu sehen. 135 km in zwei Tagen bis Lezignan. Das werden wir auch noch schaffen, wenngleich auch quälend langsam wegen der vielen Steigungen.

Das kleine Gebirge, das zwischen „Narbonne“ und Perpignan so nah an die Küste herantritt, hat in der Entwicklung des französischen Südens eine ganz besondere Rolle gespielt. Es wurde zum Grenzwall zwischen zwei Besiedlungs- und Kulturräumen, dem okzitanischen und dem katalanischen, zwischen „Languedoc und Roussillon.“ Diese Berge und Täler um Lezignan sind ungewöhnlich bizarr ineinander verzahnt, so dass Straßen sich nur mühsam und sehr kurvenreich durchs Gebirge winden können. Na das wird was werden. Für Barbara sind jedes Mal die senkrecht fallenden Schluchten dicht neben den Straßen ein Graus.

Brücke über den "Canal du Midi"
Brücke über den "Canal du Midi"

Sie blickt dann meist nach rechts zu den Felswänden hin, wogegen ich lieber nach unten schaue wegen des grandiosen Panoramas über die tief eingeschnittenen Täler und Canyons. Am Nachmittag fotografiert unser Pärchen in der Nachbarschaft unser Gespann von allen Seiten. Der Mann gibt mir danach seinen Chip zum Einspeichern in unseren Laptop. Sehr schöne, klare Fotos hat er da produziert. Am Abend schauen wir uns in der DIA-Show im Laptop die Fotos von Lettland an. Es kommt uns wie eine Ewigkeit her, seit wir in diesem wunderschönen Land zu Gast waren. Viele gute Erinnerungen werden da geweckt und wir wissen schon heute, dass wir irgendwann noch einmal in diesem Land weilen werden.

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