manche Kühe sehen aus wie gemalt

Frankreich – 31.08.11

Dorfeingang hoch oben im Juragebirge in Frankreich
Dorfeingang hoch oben im Juragebirge in Frankreich
Am Fluss "L'Ain"
Am Fluss "L'Ain"

Ich komme heute schlecht aus den Federn. Viermal war ich in der Nacht auf Wanderschaft und dreimal musste ich mich komplett umziehen, so durchgeschwitzt war ich. Es wird halb Zehn, als wir auf der Straße sind. Es herrscht viel Verkehr. Wenige Kilometer hinter „Oyonnax“ erreichen wir ein neues Bundesland. „Franche-Comte“ und das Gebiet „Haute-Jura.“ Ich habe mir das Gebirge viel höher vorgestellt. Vielleicht aber durchfahren wir die „falschen“ Höhenlagen. Das ist sehr angenehm, da ich wieder mal das Handgas zum Einsatz kommen lassen kann. Den Fluss „L’Ain“ überqueren wir zweimal. „Dortan“, Moirans-En-M“, Claivaux-les-Lacs“, Champagnole“ und „Ceneau.“ Namen von Orten, die wir unter Garantie sicher total falsch aussprechen.

Unsere Zungen sind an solche Verschnörkelungen nicht gewöhnt. Oder, andere Überlegung: Wir sind des Französischen so wenig mächtig wie ein Hahn, der Eier legen soll. Die Stunden ziehen sich dahin. Innerhalb 5 Stunden düsen wir an 11 Campingplätzen vorüber. Die meisten liegen an einem See und die Route nach Nordost wird auch „Route de Lac“ genannt. Um 16 Uhr tuckern wir schon über 6 volle Stunden. Da wird es Zeit, ein 10Minuten-Päuschen einzulegen, um die eine, kleine Butterstulle zu verzehren. Der Magen hing uns schon lange schief und grummelte in einem fort. Es kommt kein Campingplatz mehr. Wir fahren ausschließlich über Land. Sehenswertes Land. Welliges Hügelland mit saftigen Weiden und vielen Mischwäldern.

In der Ferne schon die Schweizer Berge. Der Schatten, den die Bäume am Straßenrand werfen ist immer eine willkommene Wohltat. An diesen Stellen fahre ich auch extra viel langsamer, um möglichst lange Erfrischung zu haben. In der Kabine herrschen wieder tropische Temperaturen. Seit 11 Uhr 44 Grad. Ich fahre mit freiem Oberkörper, was Barbara leider aus verständlichen Gründen verwehrt bleibt. Sie muss die Sonne aushalten und sitzt auch noch direkt „voll verglast“ an vorderster Front vor der Windschutzscheibe. Die Ärmste! Doch sie hält durch. Wie immer. Und klagt oft weniger als ich über Hitze oder Kälte. Eine starke Frau und durchhaltefähige Reisebegleiterin. Es würde sicher nicht jede Ehefrau solche Strapazen einer Europatour mit einem Traktor auf sich nehmen.

Hinweisschild zur "Barbara-Bar"
Hinweisschild zur "Barbara-Bar"
So, so! Alles klar jetzt ?
So, so! Alles klar jetzt ?

Es sei denn, sie hat einen Ehemann zur Seite, der sie mitreißen und mitbegeistern kann. Das scheint der Fall zu sein, wie ich nach fünf Monaten „on road“ feststelle. Eigentlich wollten wir heute höchstens 80 km fahren, aber in Ermangelung eines Platzes sind wir gezwungen, immer weiter nach Nordost zu düsen. Barbara har eine Idee. Sie schaut nach längerer Zeit mal wieder im ADAC-Campingführer nach. Und tatsächlich! Es gibt einen Campingplatz am Rande der großen Stadt „Pontarlier.“ Also nochmals 15 km weiter.

Leider müssen wir in der rushhour mitten durch die City, was mir am Steuer nach fast acht Stunden Fahrt einiges abverlangt. Wir kreiseln, ampeln, drembeln, bremsen, ächzen und fluchen, als wir die Anhöhe zum 3-Sterne-Platz hocheiern. Es ist kurz vor halb Sechs.

20 Euro kostet es für eine Nacht. Nur eine längliche Parzelle kommt für uns in Frage, die direkt an einen Steilhang angrenzt. Der Platz nennt sich „Camping le Larmont“ und weist schon im zweiten Namensteil auf einen Berg hin. Schnell haben wir die 6 Stützen heruntergelassen und atmen erst mal lange durch. Zu anstrengend war heute die überlange Fahrt, die so nicht geplant war. Wir sind im Departement „du Doubs“ , nahe der Schweizer Grenze angekommen. Die Luft hier oben unterhalb der Almen ist frisch und würzig und die Abendkühle tut ein Übriges, uns recht früh schlaftrunken zu machen. Die französischen und holländischen Nachbarn machen einen „Riesenaufstand“, als sie uns gewahr werden auf unserm Stellplatz und fotografieren auf Teufel komm raus. Aber sie sind sehr nett und wissbegierig und stellen tausend Fragen zum Warum, Woher und Wohin. Wir erklären wie immer geduldig.

Unser Stellplatz bei "Pontarlier"
Unser Stellplatz bei "Pontarlier"
manche Kühe sehen aus wie gemalt
manche Kühe sehen aus wie gemalt

Ein Bohnensüppchen aus der Dose aus Lezignan, die uns die gute Veronique unter anderem in ihrem Büro geschenkt hat ist genau das Richtige nach so einem Stresstag. Dazu jeder eine kleine Büchse Bier, duschen und schlafen gehen. Zu einem Spaziergang oder einer längeren Unterhaltung mit den Nachbarn sind wir nicht mehr imstande. Es wird unsere letzte Nacht im schönen Frankreich auf lange Zeit sein. 36 Tage waren wir dann im Land und viel länger als in einem anderem Land Europas zuvor.

 

 

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