Schwedischer Blutpudding - Vorspeise oder Nachtisch - das ist hier die Frage

Schweden – 26.04.11

26. April

Schwedischer Blutpudding - Vorspeise oder Nachtisch - das ist hier die Frage
Schwedischer Blutpudding - Vorspeise oder Nachtisch - das ist hier die Frage

Habe ich schon von der seltsamen Berufsbezeichnung der hiesigen Gastronomen berichtet? Nein? Man nennt sie wirklich „Speisehandwerker.“ Lieber Bodo Gaide vom „Gasthaus zum Löwen in Hümme“: Das wäre doch auch eine schöne Werbung für deine Gäste…’BEI UNS KÖNNEN SIE DEM SPEISEHANDWERKER BEIM KOCHEN ZUSEHEN!“

Dann schaue ich Ostermontag in eine der örtlichen Tageszeitungen (dagens nyheter), fische mir raus, was ich entziffern kann und lande bei den Traueranzeigen. Da trauern die Kinder (barne), das Enkelkind (barnbarn) und das Urenkelkind (barnbarnsbarn) um den Verstorbenen. Liest sich putzig, oder?

Im Supermarkt schaut mich schon seit Tagen aus dem Kühlregal ein seltsam anmutendes, vacuumverpacktes Lebensmittel an. „Blodpudding“ steht auf der Hülle. „Blutpudding.“ Isst man den wohl mit Vanillesauce? Hmmh!! Barbara kann mich trotz heftiger Proteste nicht davon abhalten, das rotbraundurchfärbte Rundstück mitzunehmen, zumal es beim Preis von nur 28 Kronen für 425 Gramm keine allzu hohe Ausgabe bedeutet. Ich stelle mir vor, dass man es in der Pfanne heiß macht und mit Pellkartoffeln isst. Wenn ich mich jedoch täuschen sollte, habe ich dann eine Kaltspeise zum Nachtisch aufgewärmt. Ich bin einfach neugierig und werde zum späteren Zeitpunkt von dieser schwedischen Delikatesse berichten. Mir läuft schon jetzt das Wasser unter den Achseln zusammen.

Wie ich in den Touristeninformationsbroschüren lesen kann, stellen die Einheimischen hier in der Nähe hoch oben auf den Fjälls regional unterschiedlich Elchsalami und Elchkäse her, den man da nur direkt vom Erzeuger kaufen kann. Das wäre für mich ein weiteres Highlight. Barbara brauche ich gar nicht erst zu fragen, ob so „so etwas“ essen würde. Mein Vater aber, wenn er hier wäre, würde auch alles Fremdländische probieren wollen. In diesem Falle sind wir uns sehr ähnlich.

Etwa 200 km von hier im Norden soll es noch 32 frei lebende Moschusochsen (Myskoxer) geben, die man einst als fünf traurige Restexemplare aus Grönland im Norrland wieder angesiedelt hat in der bangen Hoffnung, dass sich die kleine Herde stetig vergrößern möge.

Da, wo wir, sobald der Trecker wieder fahrbereit ist, den nächsten Halt machen werden, am fünftgrößten See Schwedens, am „Storsjö“, der bis 17 Meter tief ist, gibt es der Sage nach ein im See lebendes Ungeheuer. Loch Ness lässt grüßen. Im Sommer stehen angeblich täglich hunderte Touristen an ausgesuchten Plätzen mit Ferngläsern am Ufer, um diese Seeschlange zu erspähen. Verrückt! Außerdem wetteifern jedes Jahr im Juli eine Vielzahl musizierender Männer allen Alters im Adamskostüm an der Strandpromenade darum, wer am besten den von Sagen umwobenen „Nöck“ darstellen kann. Wenn mein Pferdeschwanz länger wäre… Ich habe mal als Jugendlicher Mundharmonika gespielt. Klaus Otto…hast du nicht auch früher mal auf der dicken Trommel geblasen und wolltest du nicht immer schon mal nach Nordschweden fahren?? Wir zwei würden doch sicher einen Preis gewinnen, oder? Der letzte Preis ist immerhin ein Gutschein zum Eistauchen im skandinavischen Januar.

Das Differenzialgetriebe, schön sortiert
Das Differenzialgetriebe, schön sortiert

Spaß beiseite. Es ist Dienstag nach Ostern. Wir koppeln den Zetor vom Bauwagen ab und fahren in eine Werkstatt, da ja am rechten hinteren Achstrichter vor Tagen Öl ausgetreten ist. Ein friedhofsblonder, rüstiger 67Jähriger, Herr Sune Eriksson, dem diese kleine Werkstatt gehört und der noch nach der Pensionierung weiterhin Reparaturen durchführt, besieht sich den Schaden und macht sich daran, das Differenzialgetriebe in alle Einzelteile zu zerlegen. Der Schaden zeigt sich im Innersten: Der Simmering ist porös und lässt Öl durch. Teile müssen evtl. bestellt werden. Das könne 2 Tage dauern, bis sie da sind, meint der ausgeglichene Werkstattbesitzer. Er werde sein Möglichstes tun. Morgen können wir mal wieder vorbeischauen, meint der alte Schwede und wischt sich das schwarze Öl von den Händen. Ich werde schmerzlich an den Fernsehfilm von gestern Abend erinnert, der vom MDR ausgestrahlt wurde: Go, Trabbi, go!“ Was haben wir da gelacht über diese Pannenfahrt!

Dann geht die Tür auf und wir werden in deutscher Sprache von einem Mann ähnlichen Alters wie wir begrüßt. Er stammt aus Gudensberg und lebt seit 37 Jahren hier. Er hilft dolmetschen und wir sind ihm dafür sehr dankbar. Unglaublich, was er uns dann erzählt. Im Gebiet “Härjedalen“, etwa flächenmäßig halb so groß wie Hessen leben nur 11000 Einwohner. 0,9 Personen pro km2. Das Städtchen „SVEG“ ist hier die „Hauptstadt“ mit gerade einmal 2600 Bewohnern und hat eine Ausbreitung von ca. 3 Kilometern. In Hessen leben 6,9 Millionen Menschen. 289 auf einen Quadratkilometer. So wenig Menschen hier, das merkt man.

Auch sehr viele Braunbären soll es hier geben in den undurchdringlichen Wäldern. 3000 laufen allein durch die Wälder hier in Schweden. Ich möchte keinem begegnen. Blaubeeren im Wald zu „begegnen“ wäre eher mein Ding.

Ein Stück des 2 Kilometer langen Rückweges nimmt uns der Deutschschwede mittags in seinem alten Mercedes mit zurück zum Campingplatz. Wir hoffen, dass alles doch schneller über die Bühne geht. Inzwischen frischt der Wind auf. 15° sind es nur noch. Auf der Landkarte sehe ich, wir sind auf dem Breitengrad von Sankt Petersburg. Diesmal ist m e i ne Stimmung in den Keller gerutscht und Barbara versucht mich aufzubauen. Ich sitze mit dicker Jacke im Gartenstuhl am Fluss Ljusnan und lese über Schweden Erstaunliches.

Ich habe bisher nicht gewusst, dass folgende Erfindungen von den Schweden gemacht wurden: Erfunden wurden hier u.a. der Schraubenschlüssel, der Reißverschluss, der Herzschrittmacher und der sog. Tetra Pak, den wir von Milch- und Saftverpackungen her kennen.

Auch leben in ganz Schweden nur 9’000’000 Einwohner, im Durchschnitt 23 Einwohner/qkm. Hier in Jämtland sind es nur 4,8. Deshalb ist es so still um uns herum. Oder haben sich alle mal wieder in den dunklen Wäldern verkrochen?

Hier ein paar Homepages über uns, die ich im Netz gefunden habe:
www.altomcamping.dk/Snik-Snak/4861-Wir-lassen-den-Stau-hinter-uns.html
www.das-grosse-schwedenforum.de/mit-dem-traktor-und-tante-paula-durch-schweden-t23299.html
www.husvagnsforum-com/index.php?option=com&kunena&func=view&catid=3&id=279935&Itemid=700103
http://www.campen.de/lustiges-und-kurioses-aus-der-camping-welt/655732-mit-trecker-und-bauwagen-zum-nordkap.html
http://mobile-freiheit.net/viewtopic.php?f=185&t=11552
http://traktorhof.com/forum/viewtopic.php?t=12824
http://dreirad-fan-hamburg.jimdo.com/
www.blacklandy.de

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