Die Beiden scheinen sich sehr zu mögen

Schweiz – 05. September

Die Sonne scheint, der Regen ist nach Osten abgezogen und das Reisefieber ist groß. Wir waren schon lange nicht mehr in der Heimat. Am 23. Juli sind wir in die Niederlande eingereist. 43 Tage sind das nun her. Unter großem Hallo der übrigen Campinggäste verlassen wir den „Lido-Platz“ und fahren noch ein letztes Mal über den berüchtigten Promilleweg nach Bellach, um die Landmaschinenwerkstatt wegen der defekten Frontscheinwerfer aufzusuchen.

Die Beiden scheinen sich sehr zu mögen
Die Beiden scheinen sich sehr zu mögen
Die Generalüberholung bei "Zetor-Lehmann" in Bellach
Die Generalüberholung bei "Zetor-Lehmann" in Bellach
Sonntagnachmittag in der Werkstatt. Der Zetor-Generalimporteur für die Schweiz, Andreas Lehmann lässt es sich nicht nehmen selbst Hand an unseren Boliden zu legen
Sonntagnachmittag in der Werkstatt. Der Zetor-Generalimporteur für die Schweiz, Andreas Lehmann lässt es sich nicht nehmen selbst Hand an unseren Boliden zu legen

Andreas ist heute, wie wir wissen, nicht im Haus. Er ist schon sehr früh zu einem der größten Märkte in der Schweiz gefahren, um seine Firma zu repräsentieren. Die Mitarbeiter haben uns nicht erwartet. Sie sind erstaunt, dass wir schon wieder da sind.

Wir sagen, was Sache ist und bitten um Reparatur. Es dauert aber fast zwei Stunden, bis die Ursache des Stromausfalles gefunden ist. Im dicken Kabelbaum, der sich vom Zündschloss u.a. auch bis zu den Scheinwerfern hinzieht ist wohl ein Kabel gebrochen.

Um nicht den ganzen Kabelbaum mit seinem Gewirre auszubauen, werden zwei neue Kabel gezogen und eine Überbrückung gebastelt. Dann gehen beide Lampen wieder. Wir lassen eine Spende für die Kaffeekasse da. Mehr nehmen die Mitarbeiter nicht. Da hat doch ganz sicher Andreas seine Hand wieder im Spiel gehabt, den der eine Monteur zwischendurch angerufen hatte. Es ist schon fast Ein Uhr, als wir endlich aus Bellach fahren. Andreas hat uns die leichteste Strecke gut beschrieben, die wir gefahrlos zuckeln können. Es gibt hier, um in Richtung Basel zu fahren drei Pässe nach Norden.

Unsere Abfahrt verzögert sich. Die Frontscheinwerfer bekommen keinen Strom, doch die Mitarbeiter finden eine Lösung
Unsere Abfahrt verzögert sich. Die Frontscheinwerfer bekommen keinen Strom, doch die Mitarbeiter finden eine Lösung

Der Ärgste hat 25%, der Zweite 10% und den, den wir fahren sollen nur 7%. Es geht über „Wiedlisbach„ und Balsthal“ über den 731 Meter hohen Hauenstein, der tatsächlich noch im vierten Gang zu überqueren ist. Nach 2 Stunden sind wir in „Liestal“, schon kurz vor Basel. Hier beginnt das Schweizer „Kürbisland.“ Am Straßenrand haben die Händler große Stände aufgebaut und verkaufen überwiegend orangerote, satt glänzende Kürbisse oder auch Birnen und Weintrauben Der Verkehr nimmt stark zu und das Handgas muss ruhen. Barbara hat wieder mal Angst, durch eine Großstadt zu fahren. Ich aber sage ihr: „Hast du etwa vergessen, wie gut wir durch Helsinki, Riga oder Tallin gekommen sind?“ „Da ist Basel doch nur etwas zum Aufwärmen!“ Da bleibt sie (vorerst) stumm. Vorerst! Petra, meine langjährige Brieffreundin aus Bad Krozingen haben wir verständigt, dass wir Morgen in ihrer Nähe sein werden, um einen Campingplatz zu finden für eine längere Zeit, da ich in Freiburg in die Uni-Klinik zur Nierensteinentfernung gehen möchte. Oder besser gesagt gehen muss. Dann hätten alle Qualen der letzten 9 Wochen ein Ende und ich kann mich wieder so frei bewegen wie sonst auch. Doch heute müssen wir noch einmal auf einem anderen Platz übernachten.

Landschaft zwischen Solothurn und Basel
Landschaft zwischen Solothurn und Basel

Die Gesamtstrecke von 115 km von Solothurn aus ist zu lange für heute. Es geht schon auf drei Uhr zu, als Basel in Sicht kommt. Den Rhein sehen wir auch mal ganz kurz nur, da ich mich auf den Verkehr konzentrieren muss. Es ist schon nicht einfach, sich im großstädtischen Verkehrsgewusel zurechtzufinden. Kreisel folgt Ampel und Abbiegung folgt Kreisel.

Im Schweizer "Kürbisland"
Im Schweizer "Kürbisland"

Ich versuche ruhig zu bleiben und tuckere angespannt vor mich hin. Barbara dagegen wird zwischendurch immer mal wieder ziemlich laut, wenn sie der Meinung ist, ich wäre falsch abgebogen. Besser sie lässt nur ein GPS-Gerät laufen. Zwei verwirren nur noch mehr, besonders wenn man darüber hinaus noch eine eigene Meinung hat. Nach einer Stunde sehen wir endlich die deutsche Grenze am Rande der Stadt. Nichts kann uns nun mehr aufhalten. Über den ADAC-Campingführer suchen wir uns einen geeigneten Stellplatz für eine Nacht heraus, der nach Basel am nächsten liegt. Gegen 17 Uhr und nach vielem Suchen im Hochschwarzwald nach der richtigen Strecke landen wir wie geplant auf dem Campingplatz in „Kandern.“ Da unser Gespann aber um einiges zu lang ist für die kürzeren Stellplätze oben am Berg bekommen wir eine ebene Wiese unterhalb des Geländes angeboten, wo z.Z. niemand anderes steht. Einen Stromanschluss gibt es auch und das Besitzerehepaar ist sehr freundlich. Nebenan rauscht ein kleiner Bergbach.

Durch Basel zu fahren ist keine Kunst....mit einem Auto !
Durch Basel zu fahren ist keine Kunst....mit einem Auto !

Nur 50 Meter weiter befindet sich ein ausgesprochen großes Bewegungs-Freibad mit Riesenrutsche und Wasserspielen und einer weitflächigen Liegewiese. Für Sportler ist auch ausreichend gesorgt. Es gibt diverse Sportanlagen für jeden Geschmack. Der Campingplatz macht einen sehr gepflegten Eindruck. Hier kümmert sich kein Pächter um das Wohl seiner Gäste, sondern das Ehepaar Mischee selbst. Das merkt man auch. Einen Kiosk gibt es ebenso, wo man z.B. für den nächsten Morgen Brötchen bestellen kann. Wir nehmen diesen Service gerne in Anspruch. Nach kurzem Begehen des Platzes sind wir der Überzeugung, dass man hier im Schwarzwald in Kandern einen sehr erholsamen Urlaub auf dem „Terrassen-Campingplatz“ verbringen kann. Auch die Übernachtungsgebühren halten sich im Rahmen. www.terrassen-camping-kandern.de

Unsere große "Spielwiese" am Campingplatz in Kandern/Schwarzwald
Unsere große "Spielwiese" am Campingplatz in Kandern/Schwarzwald

Eine positive Besonderheit fällt mir noch auf. In den Toiletten befinden sich jeweils drei Rollen Papier zum Abrollen übereinander. Man hat die Wahl. Ich denke mir, dass man die unterste Rolle für die morgendliche Sitzung beanspruchen kann, die Mittlere für das kleine Geschäft am Mittag und die obere für das Finale am Abend. Wo aber bleibt die vierte Rolle Toilettenpapier für Sonn- oder Feiertage? Wäre das nicht noch ausbaufähig? Platz an der Wand wäre genug nach oben hin und wenn der „Abgreifarm“ dann zu kurz wäre zum Abrollen, könnte man ja eine Papiervorschiebevorrichtung einbauen. Etwa so wie beim Autofahren der Haltegurt, der sich automatisch elektronisch gesteuert um die Lenden schlingt.

Vielleicht sehen wir es ja bei unserem nächsten Besuch in Kandern. Der Abend wird kurz. Wir essen Nudeln mit roter Soße und telefonieren mit Mario, unserem Sohn. Jetzt kostet die Minute viel weniger als im Ausland, wo eine Minute Telefonieren mit 47 Cent zu Buche schlug.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

drei × 3 =

*