Unser Stellplatz in Wusterhausen a.d. Dosse

Deutschland – 12.07.11

12. Juli

REISEFIEBER
Unser Stellplatz in Wusterhausen a.d. Dosse
Unser Stellplatz in Wusterhausen a.d. Dosse

Ob Fernweh oder Heimweh …
beides kann
daheim
oder
fern von da
das gleiche Bauchweh machen
aber nie …
an derselben Stelle.
Nur viel Bewegung bringt da Linderung !

Diese Zeilen schrieb ich einmal vor Beginn unserer Reise. Es hat sich diesbezüglich nichts bei mir und in mir verändert. Mein Heimweh ist winzig klein, mein Fernweh dagegen riesengroß. Die große Visite kommt spät, erst gegen Mittag. Ich sitze wie auf glühenden Kohlen und warte auf die erlösenden Worte: “Sie sind entlassen!“ Doch es sind andere Worte, die da von der rumänischen, jungen Ärztin an meine aufgespannten Ohrmuscheln klingen. „Morgen, Herr Ochs, Morgen werden wir noch einmal ein zweites Dauer-EKG machen und am Donnerstagmittag, bei der nächsten Chefvisite sehen wir dann weiter!“ Ich schlucke nicht nur einmal. Ich habe mich nicht verhört. Noch mindestens zwei Tage Klinikaufenthalt? „Wegen Ihrer Sicherheit!“ meint die Ärztin dann freundlich, aber bestimmt, als sie meine säuerliche Miene bemerkt.

Barbara "vergreift" sich an meinem Nachtisch
Barbara "vergreift" sich an meinem Nachtisch

Ob es auffallen würde, wenn ich bei Nacht und Nebel einfach türme? Ich spinne den Faden lieber nicht zu Ende. Was hat uns bisher schon alles zum Bremsen bringen wollen…? Drei abgerissene Hinterräder und wohlgemeinte Einladungen von Fremden, die uns geschrieben haben, wir sollten sie doch für ein paar Tage besuchen. Und dann die anderen kleineren und größeren Reparaturen in Dänemark, Schweden, Finnland, Estland und Polen. Und jetzt, jetzt bringen mich nur läppische 8 Millimeter Nierenstein zu Fall und ein vorübergehend zu schneller Herzschlag. Ich kann es nicht fassen.

Barbara teile ich diese Nachricht schonend mit. Sie nimmt es viel gelassener auf als ich. Heute kommt sie mich nicht besuchen. Es ist einfach zu drückend, um hin und zurück 10 Kilometer zu laufen. Gut so! Sie ist eh schon arg belastet.

Ich erfahre draußen im kleinen Pavillon in der Runde der anderen stationären Opfer im Klinikpark sehr viel Neues und Interessantes über das Leben und Treiben in der ehemaligen DDR und gewinne ganz neue Erkenntnisse über Land und Leute, die ich ohne Krankenhausaufenthalt so nicht erfahren hätte. Die Leute hatten Berufe, die mir bisher nicht bekannt waren: Melker, Traktorist, Agrar-Ökonom, Mechanisator, Dispatcher oder Brigadeführer einer staatlichen LPG- Tomatenaufzuchtstation zum Beispiel. Fast jeder Eingeborene hier hat einen Garten und versorgt sich mit Obst, Gemüse und Kartoffeln selber. Manch einer füttert noch ein Schwein nebenbei. Die Arbeitslosigkeit ist groß und viele müssen sich nach der Decke strecken.

Ich erfahre auch, wie das Flüsschen „Knatter“ zu ihrem Namen kam. Früher gab es sehr viele Mühlen entlang des Wassers, besonders um Kyritz herum. Die Mühlräder waren, wenn sie einmal in Bewegung waren, weithin über die Landschaft zu hören. Sie „knatterten.“ Daher soll der Name „die Knatter“ kommen. Es gibt für alles eine Erklärung, wenn man nur einmal danach fragt und der Sache auf den Grund geht.

Für meinen „Herzkasper“ dagegen konnte mir bisher niemand eine plausible Erklärung geben. Mir fallen viele Schlager zum Thema „Herz“ ein. „Dein ist mein ganzes Herz“ oder „Herzilein, du sollst nicht traurig sein“ oder auch „Herz, Schmerz und sonst noch was“ usw. Ja, das Herz spielt nicht nur in der Musik eine Rolle.

Ich jedoch bin zur Zeit etwas „aus der Rolle gefallen“ und hoffe, dass mich der Alltag bald wieder hat.

„Alles hat einmal ein Ende, am Ende jeder Anfang!“

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