An einer kleinen Badebucht in Helsinki

Finnland – 04.06.11

4. Juni

Wir stehen zu spät auf und haben auch keine Lust mehr, nochmals mit der Bahn zu fahren. Zoos gibt es auch woanders. Barbara entscheidet sich für Großputz- und Waschtag und ich lese mich gründlich ins Baltikum ein.

Der ADAC hat uns umfassende Karten letztes Jahr geliefert, die sehr gut erklären, auf was wir uns da einlassen. Nur von den landesspezifischen Toilettenanlagen finde ich keine Silbe. Das sollte aber mal in der nächsten Ausgabe nachgeholt werden.

Es sind 22 Grad und ich sitze in kurzer Hose und mit freiem Oberkörper unter unserer Veranda und schaue den Möven zu, die darauf warten, die Reste des Grillgutes vom Nachbarn zu stibitzen. Ich dachte immer, nur Elstern leiden unter Kleptomanie. Wieder was dazu gelernt, wenngleich ich auch Ausländer bin. Der Sonnabend nimmt einen ruhigen Verlauf. Am Nachmittag bummeln wir nochmals durch den Supermarkt nebenan.

An einer kleinen Badebucht in Helsinki
An einer kleinen Badebucht in Helsinki
Die "gestellte" Wäsche hielt nicht im Trockner
Die "gestellte" Wäsche hielt nicht im Trockner

Uns fällt auf, dass in diesem Stadtrandteil Helsinkis überwiegend sozial schwache Familien in den kasernenartig aussehenden Hochhäusern leben. Viele Schwarzafrikaner sind unterwegs. Ich würde sagen, jeder Zehnte hier ist nichtfinnischer Abstammung. Die Frauen tragen zumeist Kopftücher und bunte, lange Kleider. Die finnischen Familien hier in dieser Gegend fallen durch ihr sehr ungepflegtes Äußeres auf. Einige scheinen angetrunken zu sein und torkeln mit glasigen Augen durch die Gänge des Ladens. Sehr viel Müll und Unrat liegt auf dem Gehsteig vor dem Markt und einige Fensterscheiben zeigen Spuren von Vandalismus. Die Frauen, Junge wie Alte paffen im Gehen braune Billigzigaretten und spucken ständig auf die Straße. Kinder schreien im Markt und genervte Mütter mit Plastiktaschen voller Bierbüchsen und eingekauften Sonderangeboten keifen lautstark zurück und versuchen, die Gören zur Raison zu bringen.

Das Erfreuliche: An jeder Kasse sprechen die Kassierer englisch, wenn sie merken, dass wir keine Finnen sind. Die meisten Finnen, besonders die Jüngeren haben einen hohen Bildungsstand. Sogar im Supermarkt am Rande der Hauptstadt. Finnland liegt ja auch laut Pisastudie weit vorn.

Nach dem Kaffeetrinken laufen wir ein kurzes Stück Weg zum Beach. Kinder tummeln sich im kühlen Meerwasser. Die muslimischen Mädchen gehen in voller Bekleidung hochgeschlossen und sogar mit Kopftuch baden. Es passt dabei immer ein älterer Bruder auf die Kleinen auf. Der Strand ist nicht besonders gepflegt und wir gehen wieder durch einen kleinen Park zurück zu unserem Platz. Ich muss nun etwas korrigieren. In der Nähe des Campingplatzes gibt es doch ein Restaurant, das aber etwas versteckt liegt. Wir lassen den letzten Abend in Finnland geruhsam ausklingen und sind schon um 23 Uhr im Bett.

Morgen wollen wir mit der Fähre der „Viking-Reederei“ nach Estland überschiffen. Mal sehen, was wir da so alles erleben in dem fünften Land, das wir durchreisen wollen. Ich werde ab Morgen aus Estland berichten, dem ersten Land im Baltikum, das wir heimsuchen werden. Ob die Esten ahnen, was da auf sie zukommt?

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