Überall, wo unser Ackerschlepper parkt, erregen wir großes Aufsehen

Frankreich – 13.08.11

13. August

Es ist so still hier ringsherum, dass wir erst um 9 Uhr aufwachen. Huch! Nun aber hurtig aus dem Bett und zur Morgentoilette gehen. Das ist nicht sehr weit, nur 100 Meter zwischen den Zelten und Caravans und gähnenden Urlaubern hindurch.

Zentrum in einem Bergdorf
Zentrum in einem Bergdorf
Überall, wo unser Ackerschlepper parkt, erregen wir großes Aufsehen
Überall, wo unser Ackerschlepper parkt, erregen wir großes Aufsehen

Wir sitzen am Frühstückstisch in der heißen Morgensonne und trinken in Ruhe Kaffee. Von nebenan dringen männliche Schnarchgeräusche. Ein Hund kläfft von weiter hinten, Schafe blöken, zwei Hähne krähen sich im Wettstreit an und die Wipfel der Bäume rauschen leise im Wind. So haben wir es gern. Frühstücken unter freiem, wolkenlosem Himmel. Das hat schon was. So vergeht die Zeit zwischen Morgen und Mittag wie im Flug und schon wieder sitzen wir draußen, natürlich jetzt im Schatten und verleiben uns die Grüne Soße ein. Kräuter im Topf haben wir ja schon seit Belgien und Eier sind in Frankreich sehr billig. 18 Cent haben wir nur für ein Ei der Güteklasse A bezahlt.

Mir geht es heute nicht besonders gut. Ich kann am besten schmerzfrei sitzen, wenn ich den Körper lang strecken kann und nicht wie ein Normaler auf dem Stuhl oder auf der Eckbank sitze. Trotzdem ziehe ich es vor, heute erst gegen Spätnachmittag noch einmal das kurze Stück zur Innenstadt zu fahren. Wir haben großen Appetit auf frisches Obst und Barbara braucht Putzmittel für die Fensterrahmen und das Balkongeländer und etwas Spülung für ihre Haare. Ich spüle meine Haare auch, nur nehme ich dazu klares Wasser. Verstehe einmal einer die Frauen.

Die 300 Meter, die wir gehen müssen, gestalten sich für mich nicht ganz so schmerzfrei, wie ich es gerne gehabt hätte und ich bin heilfroh, dass wir nach einer guten Stunde wieder „Zuhause“ sind und ich mich langlegen kann. In der City zeigte das Thermometer an einer Apotheke 37 Grad an. Seit gestern haben wir auch eine hervorragend funktionierende Klimaanlage in die Treckerkabine eingebaut. Ein Gummiseil mit einem Haken hänge ich nun bei großer Hitze in den rechten Türgriff auf meiner Seite ein und öffne während der Fahrt die Tür. Barbara hält nun das Zugband auf ihrer Seite etwas auf Spannung, damit die Tür 10-30 Zentimeter offen bleibt und Fahrtwind, sofern man davon reden kann ins Innere unserer glutheißen Kabine gelangt. Das hilft etwas, wenn auch nicht viel. Immerhin, etwas Besseres fiel mir nicht ein. Und es funktioniert. Wenn wir durch einen größeren Ort fahren oder ich im Außenspiegel ein Polizeiauto hinter uns herfahren sehe, schließe ich schnell wieder die Tür. Wir wollen ja keinen Ärger. Auch nicht in Frankreich, unserem schönen Nachbarland.

Überall, wo unser Ackerschlepper parkt, erregen wir großes Aufsehen
in manchen Dörfern nimmt die Kirche den größten Platz ein

Wir haben uns verschiede Sorten Pflaumen, Mirabellen und vollfleischige Zwetschgen mitgebracht und eine vollreife Honigmelone. Der Vitaminstoß tut gut und wir lassen dafür das Kaffeetrinken ausfallen. Es ist eh zu heiß für einen Cappuccino, obwohl wir draußen im Schatten sitzen.

Bergwelt in Südfrankreich
Bergwelt in Südfrankreich

Barbara kramt mir eine alte, fast volle Packung mit Antibiotika aus ihrem Geheimfach, das geeignet ist, meine eventuell im Entstehen begriffene Blasen -oder Nierenentzündung einzudämmen. Dann kommt die junge Anmeldedame des Platzes zu uns herüber gelaufen und teilt uns freudig mit, die Presse würde noch heute oder auch Morgen, am Sonntag zu uns stoßen, um eine Reportage über unsere Reise zu bringen. Das wäre der 24ste Artikel in verschiedenen Tageszeitungen. Den letzten Bericht über uns in Mittelfrankreich hat uns der Journalist leider wider Erwarten nicht zugeschickt. Oder ich muss mal im Spam-Ordner nachsehen, wenn ich wieder online gehen kann. Hier in „St. Affrique“ hätte ich drei Tage Gelegenheit, online zu sein, doch es gibt kein freies Netz.

Dann erscheint gegen 17 Uhr der Reporter mit seiner Kamera und einem Notizblock. Die Anmeldedame kann etwas Englisch und vermittelt. Sie macht es ganz gut, finden wir. Eine ganze Stunde nimmt sich der Mann Zeit, um nachzufragen und Fotos zu machen.

Ich muss auch auf seine Bitte hin den Trecker noch mal vor den Bauwagen fahren und wir beide sollen lachend bei geöffneter linken Tür herausschauen und winken. Das kommt selten vor, dass wir bei offener Tür lachen und winken. Wir öffnen die Tür meist erst dann mit verkniffenem Gesicht, wenn uns zu warm wird oder wir nach dem Weg fragen müssen. Der Mann versteht sein Handwerk und wir stehen schwitzend und palavernd mal auf der rechten, mal auf der linken Seite des Wagens. Er scheint beeindruckt, wie auch die kleine Rezeptionistin, als sie ins Innere gelassen werden. Viele „Oh’s und Ah’s“ hören wir. Natürlich auf Französisch. Das klingt viel melodischer als in Deutsch. Der Lokalreporter will uns den Artikel per Email zuschicken. Ob das diesmal klappt mit dem Nachschicken? Wäre schön! Schade nur, dass wir hier kein Netz haben und auch unsere SAT-Schüssel so dicht vom Blätterdach umgeben ist, dass kein Empfang möglich ist.

 

Da geht einem das Herz auf
Da geht einem das Herz auf
Und wieder ein anderes Departement
Und wieder ein anderes Departement

So hören wir zwischendurch, wenn uns danach ist per CD Lieder von Westernhagen und Reinhard May an. Barbara kann sich ja auch noch, wenn sie will, Hörspiele auf ihrem von Karsten und Tamara geschenkten Abspielgerät mit dem Kopfhörer anhören und dabei wunderbar entspannen. Die Zeit wird uns nicht lang und wir erholen uns so richtig gut nach den vorangegangenen sechs Fahrtagen in Folge, wo wir zwar nur etwa 500 Kilometer weit gekommen sind, aber immerhin ein großes Stück näher unserem Nahziel „Lezignan“ in den Corbieres gekommen sind.

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