Presseartikel in der Lezignaner Tageszeitung

Frankreich – 19.08.11

Nun wird es aber Zeit, einmal die Internetadresse dieses Top-Campingplatzes zu benennen: www.campinglapinede.fr Als unbedarfter Tourist würde ich diesem Platz eher 4 Sterne als nur 3 verliehen haben. Wir fühlen uns nach wie vor „sauwohl“ hier und haben wenig Lust und auch andere triftige Gründe nicht schon Morgen weiter zu fahren.

Unsere Tante Paula bei Nacht
Unsere Tante Paula bei Nacht

Das Wetter soll auch am Wochenende viel besser werden und 36 Grad sind angesagt. Puh! Unser „Nissan Note“ steht neben dem Bauwagen und will heute gefahren werden. Wir packen Landkarten ein und unser gutes, 7 Jahre altes „Tom-Tom-Navi,“ das fast immer besser die Wege weist als das neue, das dreimal teurer war.

Narbonne-Plage...Bad im Mittelmeer
Narbonne-Plage...Bad im Mittelmeer
Ohne Worte
Ohne Worte

Wir wollen mehr (Meer) sehen! Wenn wir uns schon mal so nah an der Küste aufhalten. Um 10 starten wir. Der kleine Japaner hat ganz schön Pep, wenn man auf’s Gaspedal tritt. Doch immer wieder muss mich Barbara ermahnen, dass ich heute keinen Trecker fahre. Mit 60 km/h auf der Schnellstraße nach Narbonne wäre ich ein regelrechtes Verkehrshindernis, meint sie trocken. Schon nach einer erstaunlich kurzen Zeit, nach einer halben Stunde nur sind wir die 25 km bis Narbonne gehuscht und die Straßenränder rasen nur so an mir vorbei.

Es ist ungewohnt mit einem Auto zu fahren. Ich weiche jeder Spurrille und jedem Kanaldeckel aus und in Kurven hole ich mit dem Kleinwagen viel zu weit aus, so dass mir einige französische Fahrer fragende Blicke zuwerfen. Auch das Handgas vermisse ich bei dem kleinen Diesel und beschränke mich auf das Antippen des Fußgaspedals. Der Wagen lässt sich sehr spritzig fahren und ist so geräuscharm, dass man sich sogar während der Fahrt in Normallautstärke unterhalten kann, ohne dass man sich anschreien muss. Weiter geht es durch die total verstopfte Innenstadt in vielen Windungen und über 2000 Ampeln in Richtung „Narbonne Plage,“ dem vorgelagerten Ort direkt am Meer. Die Klimaanlage lässt uns vergessen, dass es draußen inzwischen 37 Grad warm ist. Dann sind wir da. Ein kleiner Parkplatz neben einem Stellplatz für Wohnmobile hat gerade noch den letzten Platz frei. Wir haben ja heute auch keine 12 Meter Länge zum Einparken. Das Meer ist schon zu sehen und…zu riechen. Ja, das Meer riecht. Und zwar nach mehr (Meer). Die Badesachen haben wir uns schon morgens angezogen und so schlurfen wir fröhlich in Erwartung einer feuchtfröhlichen Badestunde über den gut 500 Meter breiten feinkörnigen Sandstrand. Nur wenige Besucher sind im Wasser zu sehen. Die meisten aalen sich auf ihren Strandmatten und schmieren sich mit einer weißen Flüssigkeit gegenseitig ein.

Am Strand von Narbonne-Plage
Am Strand von Narbonne-Plage
Palmen umsäumen die Straßenränder
Palmen umsäumen die Straßenränder

Igitt! Ein junges Paar aus Bayern, das wir gestern kennengelernt haben erzählte uns, dass ihr Auto gerade an diesem Strand auf dem Parkplatz ausgeraubt wurde. Eine Fensterscheibe war eingeschlagen, als die beiden vom Baden zurück kamen und alle Koffer mit allen Kleidungsstücken waren gestohlen. Ich habe keine Bedenken, da der Innenraum unseres Wägelchens aufgeräumt aussieht und das Kennzeichen auf einen französischen Besitzer hinweist. Nur Barbara hat wieder arge Bedenken. Im Nu sind wir im Wasser. 24 Grad hat es und man kann etwa 300 Meter auf dem feinen Sand hinauslaufen, ohne dass die Haare nass werden. Wenn höhere Wellen kommen, macht es erst so richtig Spaß, sich gegen die Wellen zu stemmen. Die gute Mutter Sonne sticht im Nacken oder im Gesicht, je nachdem, wie man im Wasser steht und ich befürchte, dass, wenn wir uns länger als eine Stunde am Strand aufhalten, einen schönen Sonnenbrand bekommen können.

Doch dann der Schreck beim Ankommen am Wagen nach einer guten Stunde. Meine Badehose tropft noch und die allerletzte Strandkrabbe versucht vergebens, sich aus der textilen Umklammerung zu befreien, als ich feststelle, dass ich vergessen habe, mir eine Unterhose zum Wechseln einzupacken. Macht nichts, meint meine leicht gerötete und errötete Badenixe neben mir. Dann gehst du eben „unten ohne“ weiter. Gesagt, getan. Sie hat sich natürlich allen möglichen Sachen zum Austausch mitgenommen und ist fein raus. Ihr Feixen über mein Unangezogensein bringt mich nach der Weiterfahrt in Harnisch. Was soll’s! Besser unten hui als oben pfui! Der nächste Ort, der auch in Strandnähe liegt, ist mit Palmen geradezu übersäht. Regelrechte Palmenalleen gibt es hier, die schönen, langen Schatten spenden. Wir befinden uns in „Gruissan-Plage“, einem bekannten Küstenferienort, der aber nicht überlaufen ist. Die Häuser haben hier alle einen spanischen oder auch nordafrikanischen Stil. Die Dächer sind in Halbkugelform aufgesetzt und die Fassaden hellgelb gestrichen. An jeder Ecke wuchern die Hibiskussträucher mit ihren vielfältig gefärbten Blüten. Eine Augenweide!

Die erste "Bild" seit Schweden
Die erste "Bild" seit Schweden
Ein üppiger Salatteller wird uns aufgetischt
Ein üppiger Salatteller wird uns aufgetischt

Überrascht sind wir wenig später, als wir in einem Geschäft stehen, das internationale Presse hat. Barbara jubelt, als sie den „Stern“ und sogar die neueste „Bildzeitung“ kaufen kann. Gleich daneben wirbt eine Taverne um Kunden. Wir lassen uns hier gerne im Schatten der Palmen nieder und bestellen uns einen üppigen Salatteller. In der Mittagshitze ist das genau das Richtige, was man jetzt zu sich nehmen kann. Nach einer geruhsamen Stunde machen wir uns wieder auf die Socken, die wir aber schon seit Wochen nicht mehr tragen. Nun wollen wir ein wenig das Landesinnere erkunden und fahren querbeet. Ich steuere einen Weinberg an, der ganz versteckt hoch oben zwischen steilen Felswänden liegt. Die blauen, sehr süßen Trauben sind einfach köstlich.

Barbara schimpft aus der geöffneten Fahrertür in einem fort, weil sie Angst hat, dass ich wegen des Mundraubs hinter französische Gardinen landen könnte. Ich kann wunderschöne Fotos von Gewächsen und Bäumen machen, die uns alle nicht so bekannt sind. Die meisten Pflanzen sind dickfleischig und können so besser das Wasser speichern. Eidechsen huschen an vielen aufgesetzten Mauern vor unserer Nase hin und her und lassen sich von uns Fremdlingen nicht beirren. An Narbonne vorbei auf dem Rückweg, wo der Verkehr wieder sehr stark ist, kommen wir auf eine Nebenstrecke nach „Bizanet“, wo eine richtige Ritterburg thront.

Nur eine Zufahrtsmöglichkeit finden wir nicht. Alle Wege sind ringsherum total zugewuchert. Es könnte ja sein, dass Dörnröschen noch im Schlaf liegt und nicht gestört werden will. Wir lassen sie weiter schlafen. Der nächste Ort in den Corbieres, nordöstlich von Lezignan heißt „Ornaisons.“ Hier stehen einige fliegende Händler am Straßenrand und bieten frisches Obst und Wein in Kanistern an, den Liter zu einem Euro. Doch wir haben keinen Bedarf. Weiter geht es ein Stück nach Norden auf der Nebenstrecke entlang. Vor „Argens-Minervois“ biege ich bewusst in einen hoppeligen Feldweg ein. Unser Wägelchen schluckt die Unebenheiten des Bodens mit Bravour. Einen Olivenhain haben wir noch nie gesehen und auch keine Plantage, wo Mandelbäume wachsen. Nun stehen wir aber direkt vor diesen knorrigen Bäumen, können sie anfassen und fotografieren.

Blick aufs Meer
Blick aufs Meer

Es duftet nach Parfum und Wildkräutern und frisch gemähtem Gras, obwohl es nirgendwo Weiden gibt. Frei nach dem Kinderlied „Schön ist es auf der Welt zu sein, sagt der Igel zu dem Stachelschwein“ stehen nun zwei Ochsen staunend vor der südländischen Vegetation und schauen und schauen.

Hibiskus überall
Hibiskus überall

p>Schön wäre es jetzt, wenn wir das Gesehene mit unseren Kindern, Geschwistern, Eltern, mit allen unseren Freunden, Mitarbeitern und besonders unseren lieben Nachbarn teilen könnten.

Die Mandelbäume bringen sehr große Früchte hervor, die auch schon essbar sind. Die Oliven dagegen sind noch zu hart und unreif. Aber die voll hängenden Zweige sind auch so schon sehr dekorativ. Bisher sind wir nur 120 km gefahren, obwohl wir 200 km fahren dürfen, ohne mehr zu bezahlen. Und schon sind wir wieder im Zentrum von Lezignan und sitzen bei einem Eisbecher vor einem Cafe und schauen den Passanten zu, wie sie müde auf den Schattenseiten der Häuserfronten flanieren. Es sind jetzt 38 Grad. Endlich Hochsommer.

Da es viel einfacher ist, größere Mengen Getränke in einem Auto zu transportieren, nutzen wir die Gelegenheit zum Einkauf und bringen unsere Fuhre zum Platz hoch. Dann bringt Barbara den Wagen zur Verleihfirma zurück und geht zu Fuß den einen Kilometer, um wieder zum Bauwagen zu kommen. Die niedlichen Bierfläschchen zu je 0,25 Liter im Sechserpack , die stark gekühlt aus unserem Energiespender kommen, sind schnell geleert.

Doch alles hat bei mir auch eine Kehrseite wegen meiner momentanen Behinderung. Muss ich sonst etwa 20 Mal am Tag zur Toilette unter Brennen und Stechen rennen, sind es an tagen, wo ich mehr als 2 Liter trinke mindestens 30 Besuche auf dem Örtchen. Die krampfartigen, ziehenden Schmerzen, die sich in Abständen von cirka 30 Minuten außer nachts (und da läuft auch nicht alles störungsfrei) den ganzen Tag über wiederholen, haben sich in den letzten drei Tagen noch verstärkt. Wir fragen an der Rezeption nach, ob wir noch zwei weitere Nächte bleiben können und bekommen die Zusage, dass das geht. Und nun steht eine ganz, ganz schwere Entscheidung für mich, oder besser gesagt für uns beide an. Wenn wir wie einst geplant weiter nach Süden fahren über Spanien, Portugal, Gibraltar, Andorra und Italien und dann etwa noch 2500 km mehr gefahren sind, glaube ich nicht, dass ich das körperlich durchhalte, so hart im Nehmen ich auch bin. Wenn wir abkürzen, sind wir dann immerhin noch über 13000 Kilometer gefahren.

Presseartikel in der Lezignaner Tageszeitung
Presseartikel in der Lezignaner Tageszeitung

Das ist doch auch schon ein kleiner Rekord für eine Schlepperreise, oder? Die Uretherschiene arbeitet ununterbrochen im Körper und will herausgenommen werden, was aber nur von einem Urologen durchgeführt werden kann. Dann aber folgt, was unabdingbar ist: Der Nierenstein muss anschließend sofort zertrümmert oder auf eine andere Art und Weise in einer Klinik entfernt werden, da scheußliche, nicht aushaltbare Nierenkoliken die Folge sein können oder der Stein sich wieder vor den Harnleiter legt und die rechte Niere aufstaut und dann große Komplikationen zu befürchten wären. Mein Traum, durch 17 Länder Europas mit dem Traktor zu bewältigen ist damit wohl ausgeträumt und ich bin darüber sehr enttäuscht und…traurig. Doch das ist Schicksal und die Gesundheit geht vor. Ich kann nur sehr hoffen, dass alle, die uns bisher auf unserer langen reise virtuell verfolgt haben und uns die Daumen gedrückt haben nicht allzu enttäuscht über die Verkürzung unseres „Ausflugs“ sind. Habt bitte alle Verständnis. Die nächste Reise wird dafür nicht weniger spektakulär sein, das verspreche ich.

Ich habe schon lange einen Plan. Mehr wird hier an dieser Stelle nicht verraten. Noch gehöre ich nicht zum alten Eisen und will noch viel Schönes und Aufregendes in meinem Leben erleben. Es gibt auch noch weiter Gründe, die Route zu verkürzen. Das rechte Differenzialgetriebe leckt schon wieder ganz schön, das Getriebe wirft kleine Mengen Öl aus dem Ansatz des Schaltgestänges und die Hydraulikanlage wirft auch Öl raus. Alles ist unter dem Treckerboden ölig und es tropft vereinzelt, besonders wenn wir so 6-7 Stunden bei hoher Außentemperatur und über steile Berge getuckert sind an allen Ecken und Enden. Eine nochmalige größere Reparatur wollen wir uns nicht zumuten. Vielleicht hält ja der Schweizer Generalimporteur für „Zetor-Schweiz“ Wort und wir bekommen den Trecker in Bellach in der Nordschweiz kostenlos überholt. Das wäre einfach super!!! Wir wollen diesen Händler in den nächsten Tagen einmal kontaktieren und ihn dazu befragen.

 

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