Da geht nicht das Herz, sondern der Magen auf

Frankreich – 27.08.11

Sonnenblumenfelder begleiten uns seit Stunden
Sonnenblumenfelder begleiten uns seit Stunden
Steile Überfahrt über die Rhone
Steile Überfahrt über die Rhone

Der blaue Himmel könnte nicht blauer sein als er um Acht Uhr ist. Es ist zwar recht kalt, nur 18 Grad, aber das ist genau die richtige Temperatur um zu reisen. Ich muss mal wieder die französischen Straßen rühmen. Auch jede noch so unbedeutende Nebenstrecke hat keine Schlaglöcher und lässt sich fast ohne Sprünge flüssig befahren. Das hätte uns mal auch in Polen oder Litauen passieren sollen. Aber auch dort werden die Straßennetze immer weiter und besser ausgebaut, so dass eines Tages auch ein Schlepper mit Hänger ohne Schwierigkeiten durchs Land kommt. Bei „Le Pouzin“ fahren wir das erste Mal über die breite Rhone, deren Fluten durch den Regen des vergangenen Tages sehr trübe aussehen.

Zirka 5 km nach diesem Ort kommt das kleine Städtchen „Loriol-s-Drome“. Wie wir am Ortseingangsschild lesen, ist Schwalmstadt die deutsche Partnerstadt in Nordhessen. „Crest“ ist die nächste Station, 35 km vom Abfahrtsort entfernt. Dann biegen wir auf die D 538 ab und bleiben bis zum Nachmittag auf dieser gut ausgebauten Straße. Der bekannte Fluss „Isere“, von dem mein Großvater immer erzählt hat, der dort als Soldat im 1. Weltkrieg stationiert war, ist in Wirklichkeit viel kleiner als ich es mir vorgestellt und er davon berichtet hat. Nun werden auch Berge zu Bergchen und auch das güldene Sonnchen brennt nicht so heiß wie an den Tägchen zuvor. An der Großstadt „Valence“ mogeln wir uns galant vorbei und erreichen gegen 12 Uhr die Stadt „Romans -s-Isere,“ die sich sehr lang hinzieht, da ein Vorort nach dem anderen kommt und irgendwie alles zusammen hängt. Weiter geht die gemächliche Samstagsfahrt über das Flüsschen „La Drome.“ Wir kommen ausnahmsweise einmal zügig voran und schaffen 22 km in der Stunde, was schon lange nicht mehr der Fall war.

Besonders die wunderschönen alten steinernen Kirchen (Eglisen) verleiten uns jedes Mal zu einem Foto. „Ardeche“ heißt die Gegend hier und sie ist einfach wunderschön. Dieses Mittelgebirge ist sehr nach unserem Geschmack und wir könnten noch tagelang durch diese Landschaft fahren, so reizvoll und großartig wirkt sie auf uns. Die Weinberge haben sich zurückgezogen und Sonnenblumenfelder, Kusskussfelder und Spalierobstplantagen prägen die Landschaft.

Fassaden-Gemälde an einer Kreuzung
Fassaden-Gemälde an einer Kreuzung

Kühe haben wir schon seit Wochen nicht mehr gesehen. Doch hier sehen wir die erste kleine Herde und etwas Weideland. Die Kühe haben auch wieder gleichlange Beine und rupfen das satte, niedrigstehende Gras von sanft geformten Hängen. Auch die vielen grauen und braunen Esel in eingezäunten Gehegen erregen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit. Ihre Schreie sind ohrenbetäubend und dringen sogar in unsere Kabine. Im Ort „Marges“ nach 85 getuckerten flotten Kilometern auf der D121 folgen wir einem Hinweis zu einem Campingplatz. Zwei km sind es nur auf einer Seitenstraße bei „Charmes“ und wir sind da. Ein sehr humorvoller, ausgesprochen freundlicher Mann in mittlerem Lebensalter begrüßt uns in perfektem Englisch.

Gepflegte Wasserzapfstelle, wo es Spaß macht, Nachschub zu holen
Gepflegte Wasserzapfstelle, wo es Spaß macht, Nachschub zu holen

Er lebt hier mit Frau, Kindern und seiner Mutter von Mai bis September in einem Ferienhaus hinter der Rezeption und im Winter geht er einer anderen geregelten Arbeit im nahen Städtchen nach, wo er ein Haus besitzt. Er stellt dann mit 18 anderen Kollegen exklusiven Schmuck für Damen her. Ein Schöngeist also. So habe ich ihn auch eingeschätzt. Er hat ausgesprochen gute Manieren, ist Barbara gegenüber besonders galant und hat offenbar großen Gefallen daran, dass wir bei ihm auf seinem Platz übernachten wollen. Das zeigt sich besonders darin, dass er uns nur ganze 10 Euro für alles abnimmt. Er filmt unser Einfahren auf die Stellfläche und meint später, diesen Spot von uns will er mit anderen Sequenzen als Werbefilm ins Internet stellen. Das Gelände ist passabel, gepflegt, aufgeräumt und sehr ansprechend. Hier kann man wirklich Urlaub machen und wir beide sind der Meinung, dass dem Platz 4 Sterne gehören sollten. Ein Hort der Geborgenheit und der Erholung.

So ansprechend kann ein Sanitärgebäude ausschauen
So ansprechend kann ein Sanitärgebäude ausschauen

Dicht neben dem Sanitärgebäude stehen wir wenig später und beantworten die vielen Fragen der anderen, wenigen französischen Camper. Kinder sind nicht mehr da. Am Montag beginnt die Schule wieder und es tummeln sich „nur“ Senioren in den Caravans und Wohnmobilen. Der Platz nennt sich „Les Falquets.“ Wir fragen nach, wo es den nächsten Laden gibt. Er bietet sich sofort an, uns in einer halben Stunde in seinem Mitsubishi nach „Saint Donat“, der nächsten Stadt im „“La Vallee de L’ Herbasse“ mitzunehmen.

Auch seine Mutter, eine sehr nette, alte gutsituierte Dame steigt mit ein und wir können in einem Supermarkt all das einkaufen, was uns zum Abendbrot noch fehlt oder uns fürs nächste Frühstück ausgegangen ist. Ein Dankeschön ist ihm genug. Das finden wir sehr nobel und wir bedanken uns sehr herzlich bei ihm. Auch einen Gästebucheintrag bekommen wir. Hinter dem Platzgelände verläuft ein kleiner, flacher Bach, in dem man auf festem Untergrund knöcheltief entlang waten kann. Das nutze ich natürlich aus. Kneipp-Anwendungen haben noch niemandem geschadet. Weiter weg von hier hat sich das Flüsschen „Le Herbasse“ tief in die Schluchten eingegraben, der der Gegend seinen Namen gab. Am Abend sitze ich auf einem breiten, bequemen Sofa vor dem Anmeldehäuschen und gehe online.

Es war einmal ein Bach...
Es war einmal ein Bach...

Die Verbindung ist hervorragend. Leider wird es gegen halb Neun so kühl, dass ich anfange zu schlottern in meiner kurzen Hose und dem leichten T-Shirt, so dass ich bibbernd in die Wärme unseres Rolling Homes zurück gehe. Wir holen den Elektrogrill aus der Versenkung und grillen uns ein paar Miniwürstchen und ein paar Scheiben Schnitzelfleisch. Dazu gibt es Selleriesalat und getoastetes Baguette. Um 22 Uhr liegen wir schon im Bett und schlafen sofort fest ein.

Da geht nicht das Herz, sondern der Magen auf
Da geht nicht das Herz, sondern der Magen auf

Wenn mich in der Nacht wie immer meine Uretherschiene nicht alle 4-5 Stunden plagen würde, könnte ich auch durchschlafen. So aber finde ich mich mit den Gegebenheiten ab und bin meist am nächsten Tag trotzdem ausgeschlafen. Ich bin ja ausgeruht, wenn man von manchen beschwerlichen und langen Fahrtagen einmal absieht und so reichen mir in der Regel 6-7 Stunden Schlaf.

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