NORWEGEN

Hinter der Lappenstadt wird’s wieder eintönig.

Die Tundra setzt sich unerbittlich fort.

Tundra im Frühlingswinter
Tundra im Frühlingswinter

Wir rechnen mit dem Taschenrechner während der Fahrt die Preise um.

Norwegen ist ein sehr teures Pflaster.

Wir sind fast 140 Kilometer auf der schlecht asphaltierten und querrinnenträchtigen Straße Nummer 92 gefahren und halten seit sechzehn Uhr Ausschau nach einem Campingplatz.

Im ADAC-Führer ist keiner angegeben und auch in den unterwegs mitgenommenen regionalen Touristenführern ist keiner verzeichnet.

Das sieht übel aus.

Der einzige Platz, der auch ganzjährig geöffnet hat, ist noch 70 Kilometer weit entfernt.

Und 210 Kilometer am Tag mit dem Trecker… elf Stunden.

Nein!

Wir sind beide ziemlich fertig und fluchen in einer Tour.

Bergkuppe reiht sich an Bergkuppe,

Die Straße fällt mal schräg nach links und dann wieder schräg nach rechts ab.

Der Bauwagen schlingert, die Querrillen auf der Fahrbahn lassen mich ständig vom Gas runter gehen und auf die Bremse treten.

Die Längsrillen im Teer mit den deutlichen Spuren anderer Fahrzeuge, die sicher tiefer gelegt waren sprechen auch eine eigene Sprache, doch das macht unserem Gespann weniger aus.

Und dann die Mammutsteigungen erst.

12%, die die Zugmaschine gerade so mit 16 km/h im 4. Gang schnaufend schafft.

Barbara quietscht wie ein verängstigtes Meerschweinchen, wenn es dann wieder steil bergab geht und schließt meist die Augen.

Es sieht ja auch nicht gerade nach einer Sonntagsabfahrt aus.

Eher nach einer Schussfahrt.

Die Auflaufbremse läuft heiß, wie ich nach einem Stopp feststelle und wir legen eine Zwangspause ein.

In einer Sechshaus-Ansiedlung, die sogar einen ellenlangen samischen Namen hat, sehen wir vor einem Haus in der Abendsonne einen lebenden Menschen.

Barbara fragt, wo es eine Möglichkeit gäbe über Nacht zu stehen.

Tja, meint der priemende junge Same, unser Campingplatz hat seit Jahren geschlossen.

 

Da müssen Sie nach Karasjok fahren, da gibt es einen, 70 Kilometer weiter.

Danke, das wussten wir schon.

Wir halten mitten im Niemandsland am Straßenrand an.

Die Vegetation ist arktisch.

In Norwegen leben auf einem Quadratkilometer 14 Menschen, in Deutschland sind es 231.

 

1oo Meter weiter rechts ins Nichts steht ein hellblau gestrichenes altes Häuschen.

Davor ein Sandplatz mit tiefen Reifenspuren.

Neben dem Haus ein 1000-Literfass mit Diesel, ein grüner finnischer Valtra-Traktor mit Schneeschieber, ein Stromgenerator und dahinter wieder…nichts und Krüppelbirken und viel, viel Sand und Hügel.

Barbara fasst sich ein Herz und klingelt.

Ein Mann mittleren Alters tritt in Erscheinung.

Er trägt viel zu lange Trainingshosen, hat einen Stoppelbart und sehr fettige Haare.

Nicht gerade einladend, die mittelgroße, ungepflegte, gebräunte Gestalt.

Barbara kommt zurück und lächelt.

Er sagt, wir können uns hier aufstellen!“

"Wildcamping" hinter Lappoluobbal auf dem Grundstück eines Samen
„Wildcamping“ hinter Lappoluobbal auf dem Grundstück eines Samen

„Ich habe ihm 150 norwegische Kronen gleich 19 Euro angeboten und er hat zugestimmt!“

Na schön, geht es mir durch meinen durchgerüttelten Kopf.

Besser als die Nacht über im Trecker zu hocken.

Er geht wieder ins Haus zurück.

Wir bauen auf.

Wir haben genügend Wasser dabei und auch unsere empfängnisbereite Nottoilette.

Nur Strom haben wir nicht.

Es gibt kalte Küche.

Wir sitzen auf der Eckbank mit um die Beine geschlungenen Wolldecken.

Die dicken Winterjacken lassen wir vorläufig an.

Wir ziehen sie nur aus, als wir uns für die Nacht winterfest einkleiden.

Der Abend wird kurz.

Um Zehn liegen wir im Nest.

Es sind draußen drei Grad, überall liegen hohe Schneehaufen und die Sonne nach 22 Uhr bringt auch keine Wärme mehr in die Fenster hinein.

Entweder mein Atem vor der Tür hat von der Lunge her Farbe bekommen oder es ist wirklich so kalt heute, am Freitag, dem Dreizehnten.

Wir befinden uns mitten in der Finnmark, in der endlosen fast baumlosen Steppe, der Tundra und wir fragen uns ernsthaft, warum nur um Gottes Willen haben sich gerade hier in dieser Einöde Menschen angesiedelt.

Am späten Abend hören wir das Gekrächze der Rallen vom nahen See.

Ein seltsamer Gesang !

Darüber schlafen wir ein und fallen in traumreiche warme Erdteile.

21 Kommentare

  1. Muß mich entschuldigen – es sollte Estland heißen – naja bei dieser aufregenden Geschichte und bei diesen vielen Ländern schleicht sich doch einmal ein überhasteter Schreibfehler ein.

  2. Unsere Ausreißer sind seit 05.06.2011 inzwischen in Tallin/Lettland angelandet. Alles ist gut und werden sich bald einloggen und berichten.
    Boeuf (s`Brüderle)

  3. Hallo Globetrotters, woh sind sie jetzt? Hofendlich bis balt!
    Las etwas horen so das ich die rote laufer auslegen kan.

    Liebe grusse Kasekopf Maria

  4. Hallo Ihr Zwei,
    freue mich auf die nächsten Berichte; wünsche Euch, dass es wärmer wird und uns hier etwas Abkühlung.

    Gute Weiterreise,
    Thomas

  5. Hallo Ihr beiden,

    so langsam treten einem die Sorgenfalten ins Gesicht!
    Kein Wort von Euch zu lesen, das ist schon fast Grausam. Was ist los???
    Also ich fahr Euch Freitag mal bis Aero mit der Ape entgegen und nem n Fernglas mit.
    So ein großer Bauwagen muss doch zu sehen sein.

    Gruß
    Harald

  6. Hallo Ihr Zwei,

    wir hoffen, es geht Euch gut und Ihr seid gesund!

    Wir erholen uns derzeit in der Türkei bei knapp 30 Grad – sehr gutem Essen, sehr freundlichen und hilfsbereiten Menschen – 150 m zum Strand – einfach traumhaft!

    GGLG Konny und Erich

  7. An alle die sich Sorgen machen…die beiden sind in Mittelfinnland…läuft soweit alles gut…es ist z.Z. schwierig sich einzuloggen…sobald sie Gelegenheit dazu haben, werden sie wieder berichten…
    Boeuf (s`Brüderle)

  8. Hallo Ihr zwei
    ich mache mir echt Sorgen um Euch.
    Man hört so lange nichts.
    braucht Ihr Hilfe ??
    Liebe Grüsse und gute Reise:
    Heini aus der Schweiz

  9. Liebe Barbara , lieber Dieter,
    mit großer Freude habe ich Eure Reiseerlebnisse bisher verfolgt. Ihr hattet ja schon vor Jahren erwähnt, diese Reise durchzuführen.
    Eure Berichte lesen sich wie ein Abenteuerroman. Man wartet schon mit Spannung auf die Fortsetzung.
    Vor Euern Mut muss man den Hut ziehen. Die Hilfsbereitschaft völlig fremder Leute in den bisher bereisten Ländern ist beeindruckend.
    Viele liebe Grüße und weiterhin viel Glück bei Eurer (fast) Weltreise
    wünschen Jutta und Rudi

  10. hey, …………ihr beiden,
    hoffe euer gespann hält durch und ihr habt noch beste erlebnisse vor euch,
    wir schauen ab und an mal rein und erleben es irgendwie mit, fahren
    selber bald durch schweden nach norway und freuen uns drauf,
    ……….alles gute – bleibt gesund und geniesssssssssssst es!!!!!
    tschau micha und moni

  11. Hallo, ich lese mit großer begeisterung euern reisebericht
    bin schon ganz ungeduldig wie es weiter geht.

    Im letzten jahr haben wir den 74 jährigen bayer tatsächlich in schweden getroffen.

    gute reise weiterhin und viele berichte

    lg inka

  12. Hallo Dieter und Barbara
    Wunderschon euhre reisse, ich geniesse von wat du schreibst, nog eben und dan sind sie im Holland jippie hahaha

    Liebe grusse und ein dikke kus von euhre kasekopf maria

  13. Hallo, ihr Lieben!
    Habe wieder mit Spannung eure letzten Berichte gelesen! Ihr hattet es ja reichlich frostig, während wir hier richtig sommerliche Temperaturen hatten – richtig gutes Hochzeitswetter also…;-)

    Es grüßen euch herzlich
    die Frischvermählten
    Anschi und Thomas

  14. Lese eure Berichte mit großem Interesse,
    weiterhin gute Fahrt
    Liebe grüße aus Kassel

    Harry röller

  15. Hallo Ihr Weltenbummler,
    nach den Aufregungen der letzten Schweden / Finnlandstrecke der letzten Tage wünsche ich Euch eine gute Weiterfahrt. Auf dass der Zetor und Tante Paula durchhalten und Ihr nicht einfriert.
    Liebe Grüße von der Wolkenverhangenen „Startbahn West“ ;o)
    Petra

  16. Hallo Ihr Lieben,
    Ich war ja auch schon am Nordkap aber das war im August, da lag kein Schnee, zumindestens da wo die Sonne hinschien. Vielleicht hättet Ihr erst den Süden und danach den Norden errollen sollen?
    Liebe Grüße von der Heimat,
    Jutta & Max

  17. Hallo,

    schon zu lesen das wieder alles gut läuft besonders der Zetor.
    Ich hoffe Ihr hattet heute einen erhohlsamen Tag nach der aufregenden Woche.

    Ich Drück Euch Die Daumen für eine Pannenfreie Weiterfahrt.

    Gruß
    Harald

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