Ein ungezähmter Wildbach

Schweden – 03.05.11

3. Mai

Um Neun ist der Platzwart zur Stelle. Er nimmt mir nur 100 statt 165 Kronen ab. „Ist schon in Ordnung,“ meint er. „Ich habe mich gefreut, dass Sie gerade auf meinem Platz Halt gemacht haben.“ „So etwas kommt nicht alle Tage vor.“

Ein ungezähmter Wildbach
Ein ungezähmter Wildbach
Besuch des estnisch-schwedischen Platzinhaber-Paares
Besuch des estnisch-schwedischen Platzinhaber-Paares

Auf dem weiteren Weg nach Norden begegnen uns immer wieder ganz unscheue Birkhühner am Straßenrand, die nur langsam weghoppeln und nicht auffliegen. Wie wir hörten, picken diese großen Vögel den Winterstreusand auf. Zum einen weil sie kleine Steinchen zur Verdauung brauchen und zum anderen weil an dem kleinen Split noch Salz vom Streudienst haftet. Guten Appetit, ihr Birkhühner!

Da lob ich mir doch eher die schwedischen Frauen jedweden Alters, die man fast immer mit einem Priem in den Backentaschen sieht. Schwedische Zahnärzte leiden sicher keinen Hunger…

Nach etwa 120 Traktorminuten durchfahren wir das schmucke Städtchen „Dorotea“, das Südtor Lapplands. Wir sind nun in Västerbotten, in Südlappland. Im Touristeninformationsbüro erstehen wir diverse Aufkleber und Prospekte. Als wir nach einem kurzen Bummel durch die belebte City, ja, so was gibt es auch schon mal in Schweden, wieder zurück kommen, steht der Büroleiter des städtischen Touristenbüros mit einer Kamera vor dem Gespann und auch noch einige andere Passanten und alle fotografieren auf Teufel komm raus. Auch eine Kindergartengruppe bleibt staunend stehen und die „Kindergartentante“ macht Fotos von „Tante Paula.“ Ich lasse alle meine Tierstimmen aus dem Außenlautsprecher ertönen, sehr zur Belustigung der Kinder. Muuuh!! Kikerikiiii!! Miau!! Wuffwuff!! Wieher!!

Das große Wohnwagenmuseum „Polar“ hier hat leider geschlossen. Dann geht’s über die E 45 weiter nach „Wilhelmina“, das am „Kultsjön“ liegt. Das Panorama hoch oben über den See ist grandios. Barbara bedient eifrig den Fotoapparat. Das kenne ich gar nicht von ihr. Scheinbar ist sie genauso begeistert wie ich von der rauen Schönheit Schwedens.

Bei "Storseleby" unser Platz am Flussufer
Bei "Storseleby" unser Platz am Flussufer

Zwischen Wilhelmina und dem Örtchen „Storseleby“ stehen urplötzlich zwei Rentierkühe mitten auf der Straße und glotzen uns tränig an. Sie scheinen keine Angst vor dem Geräusch des Traktors zu haben. Mit den Hinterläufen schlickernd verschwinden sie im Zeitlupentempo im Unterholz. Ein paar Minuten später steht eine ganze Herde auf der Straße und am Straßenrand. Der LKW auf der Gegenspur muss auch halten. Hier haben die Rentiere Vorfahrt, sind sie doch der fast einzige Broterwerb der hier ansässigen Samen. Man möchte sie am liebsten streicheln, aber die breite Landstraße lässt einen Stopp gerade hier auf der steil ansteigenden Straße nicht zu. Immer wieder fallen dünne Schneeflocken und die Luft riecht nach Winter.

Wir sind 125 Kilometer gefahren und sehen, mal wieder direkt neben der Europastraße, einen landschaftlich sehr ansprechenden Campingplatz. Wir „schleichen“ uns an. Ein Paar um die 60 betreibt diesen Platz. Wir sind wie gehabt wieder die einzigen Gäste hier am „Vojman“, dem flachen, breiten Fluss, wo die runden Felsbrocken aus dem Schmelzwasser ragen und ordentlich Krach machen. Die netten Besitzer laden uns gleich zu einem Kaffe im Rezeptionsgebäude ein und kommen wenig später zu uns in den Bauwagen und trinken gerne eine Büchse „Öl“ mit uns. 2,8 % versteht sich. „Kinderbier!“ Die Frau, eine Estin aus Tallin, die es der Liebe wegen hierher verschlagen hat, trägt sich und ihren Ehemann in unser Gästebuch ein. Ihr Minihund „Rambo“ räkelt sich vor unserem Heizlüfter. Er bekommt kein Bier zu trinken. Wo kämen wir da hin!

Nun warten wir auf den Rückruf von FFH. Tamara, unsere Tochter, informierte uns drei Stunden zuvor über Handy, dass der hessische Radiosender heute oder Morgen ein Lifeinterview gegen 17 Uhr mit uns haben möchte. Aha! In Deutschland ist wohl auch im Radio „Saure-Gurken-Zeit“, so dass jetzt „Auswanderer“ daran glauben müssen. Eine freundliche Dame vom Sender ruft uns dann auch an und sagt, Morgen, am 4. Mai gegen 17 Uhr sind wir dann life auf Sendung. Barbara meint:“ Mach du das mal besser!“ „Das ist eher d e i n Ding!“ Nun gut, ich einige mich schnell mit ihr.

Schnell nach dem Öl- und Wasserstand geschaut am Zetor und dann…husch, husch ins Körbchen. Es ist gegen Halbelf und es dämmert langsam. In Deutschland ist sicher schon Nacht.

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