Der Bürgermeister und seine Begleiter tragen sich ins "Goldene Buch der Globetrotter" ein

Deutschland – 02. Oktober

Heute ist Sonntag. Der letzte Sonntag auf unserer langen Reise. Morgen, am dritten Oktober sind es genau 6 Monate her, seitdem wir unterwegs sind. Und was haben wir alles erlebt! Es könnte fast ein Buch daraus werden. Ich werde versuchen, es im Winter über zu schreiben und hoffe, dass das Authentische dabei nicht verloren geht. Schreiben macht Spaß und kann nur noch dadurch gesteigert werden, indem man noch mehr schreibt. Ich werde im Netz vom Fortgang meines neuen Buches, meines ersten Reisebandes berichten. Sicher wird es kein Renner auf dem deutschen Buchmarkt werden, aber ich bin es unseren treuen Fans schuldig, unsere Erlebnisse auch in Papierform veröffentlichen zu lassen. Ob ein potenter Verleger anbeißt? Ich bin Optimist und habe keine Zweifel.

Gegen 10 Uhr tritt ein älterer Herr auf die Bildfläche.

Hoher Besuch! Von rechts: Bürgermeister Vollmöller, Touristikdirektor Habicht und der ehemalige Polizeichef und jetziger freier Mitarbeiter der Presse, Herr Hahner
Hoher Besuch! Von rechts: Bürgermeister Vollmöller, Touristikdirektor Habicht und der ehemalige Polizeichef und jetziger freier Mitarbeiter der Presse, Herr Hahner

Es ist der Verkehrsdirektor der Stadt Lauterbach, Kurt Habicht, der uns ausrichtet, dass der Bürgermeister in wenigen Minuten bei uns eintreffen wird. Der Bürgermeister? Oha! Schnell fahre ich mir durch den Oberlippenbart und überprüfe den Sitz meines Pferdeschwanzes. Ich bin ja nun gar nicht eitel. (!?) Barbara hat unsere Bude schon vor einer Stunde aufgeräumt und zupft an ihren Augenbrauen. Ich kann sie beruhigen. Der Bürgermeister ist glücklich verheiratet. Sein Name ist Reiner-Hans Vollmöller und er leitet die Geschicke der Stadt schon seit einigen Amtsperioden. Der Gemeindechef trifft ein. Er hat uns zwei Flaschen „Lauterbacher Sekt“ und zwei „Strolchstrümpfe“ mit silberner Plakette, wo in der Inschrift „Luftkurort Lauterbach“ steht als Geschenk mitgebracht und bedankt sich für die gute Werbung für seine Stadt, die wir sicher sehr gut in 12 Ländern vertreten haben. Kurze Zeit später trifft auch Alfred Hahner, der ehemalige langjährige Polizeichef der Lauterbacher Polizeidienststelle und jetziger freier Mitarbeiter des „Schlitzer Boten“ und des „Lauterbacher Anzeigers“ ein und stellt uns ein paar Fragen zum Verlauf der Reise und macht Fotos. Das haben wir nicht erwartet! Die drei potenten Herren sind allesamt sehr sympathisch und wir plauschen über eine halbe Stunde miteinander.

Der Bürgermeister und seine Begleiter tragen sich ins "Goldene Buch der Globetrotter" ein
Der Bürgermeister und seine Begleiter tragen sich ins "Goldene Buch der Globetrotter" ein

Alle Drei tragen sich noch schnell in unser Gästebuch ein und verlassen uns mit vielen guten Wünschen für die Zukunft. Wir sind etwas verblufft und bedanken uns für die Ehre des Besuches. Das haben wir wirklich nicht erwartet. Zehn Minuten später fährt ein weiterer Wagen vor. Auf uns zu kommt mit lachendem Gesicht ein Mann mittleren Alters mit einem übergroßen Fotoapparat, der mich sogleich fragt, ob ich ihn denn noch kenne von früher. Oha! Es fällt mir sehr schwer, ihn zu identifizieren. Ich bin ja nun auch schon lange über 40 und da fällt das Gedächtnis… „Mein Name ist Gerhard Otterbein!“ gibt sich unser Gegenüber zu erkennen. Aha, denke ich. Aha! Und weiß trotzdem nichts. „Und ich bin unter anderem freier Mitarbeiter des „Lauterbacher Anzeiger“ und komme zu Ihnen, um einen längeren Artikel für die Tageszeitung zu schreiben!“ Dann klärt er mich auf. 1970 oder 71 sind wir uns mehrmals begegnet. Ich war damals 20 Jahre alt und er 13. Ich erinnere mich nur schwach an ihn, aber er hat eine sehr positive Erinnerung an mich, wie er betont. Dann nehmen wir auf unseren Campingstühlen im Schatten hinter dem Bauwagen Platz.Das Interview beginnt. Wir duzen uns so wie vor 40 Jahren und das Gespräch, das in lockerer Atmosphäre geführt wird, dauert weit über eine Stunde. Gerhard ist eine Seele von Mensch und man muss ihn einfach mögen. Der geborene Journalist, mit dem es großen Spaß macht, sich mit uns zu unterhalten entlockt uns beiden immer mehr Details von unserer Europatour. Er hat das richtige „Händchen“ als Reporter der größten Tageszeitung im Vogelsbergkreis und die Zeit vergeht leider viel zu schnell.

Gerhard Otterbein, ein brillanter Journalist des "Lauterbacher Anzeigers" will vieles von uns wissen
Gerhard Otterbein, ein brillanter Journalist des "Lauterbacher Anzeigers" will vieles von uns wissen

Mit ihm könnte man sich stundenlang unterhalten, ohne dass die Zeit langweilig werden würde. Ein toller Mann, der auch bei Barbara einen starken Eindruck hinterlassen hat. Wir werden mit ihm in Kontakt bleiben. Noch bevor der Journalist geht, trifft ein weiterer ehemaliger Schulkollege von mir mit Ehefrau und Hund aus Frankfurt ein. Wilfried L. Er macht gerade an diesem Wochenende einen Besuch bei Verwandten in seiner Geburtsstadt und wollte es nicht versäumen, uns zu treffen. Er ist durch das Internet im Bilde über unseren Aufenthalt hier. Welche Freude für mich! Dann tuckern wir zum Mittagessen zu meinen Eltern. Mein Gott, haben sie aufgetischt! Eine ganze Kompanie Soldaten könnten damit verpflegt werden. Sie meinen es gut und wir überfüllen uns mal wieder. Plötzlich steht unsere Tochter Tamara und unser geschätzter Schwiegersohn Karsten, die beide in Kassel wohnen in der Tür meiner Eltern. Der Überraschungseffekt ist den beiden vollkommen gelungen. Wir fallen uns in die Arme. Drei Monate haben wir uns nicht mehr gesehen. Es geht sogleich vom Mittagessen zur Kaffeetafel über. Ich platze bald. Mutter tischt Kuchen und Plätzchen auf. Wir sitzen im Pavillon vor dem Haus und lassen es uns gut gehen. Kaum sind wir nach der Kaffeezeit wieder am Bauwagen angelangt, besucht uns ein ehemaliger Arbeitskollege mit Frau und Tochter aus dem Ort Angersbach, mit dem ich in „grauer Vorzeit“ einmal zusammen gearbeitet habe. Mit Erich R. verbinden mich gute Erinnerungen.

Erich R., ein früherer Arbeitskollege aus Angersbach überrascht mich mit seinem Besuch
Erich R., ein früherer Arbeitskollege aus Angersbach überrascht mich mit seinem Besuch

Er ist ein „Pfundskerl“ und ebenso wie wir in einem Oldtimertreckerklub organisiert und nennt zwei alte Lanz Bulldogs, einen 22er Deutz und einen Unimog sein eigen. Dann besucht uns eine weitere frühere Schulkollegin von mir, Anita S., die mit ihrem Ehemann heute schon zweimal vergeblich an unserem Bauwagen gewesen ist. Wir tauschen uns aus und versprechen, beim nächsten Zusammensein der ehemaligen Klassenkameraden dabei zu sein. Kurz vor 19 Uhr kommt noch ein Paar auf uns zu. Es ist ein Großcousin väterlicherseits mit seiner sehr netten Frau, der uns im Winter erstmals in unseren Büroräumen in Hofgeismar aufgesucht hat und es nicht versäumen wollte, das weitgereiste Gespann einmal aus der Nähe betrachten zu können. So viel Besuch, so viel Freude!!

Wolfgang, ein Großcousin väterlicherseits macht uns ebenfalls seine Aufwartung mit seiner netten Frau
Wolfgang, ein Großcousin väterlicherseits macht uns ebenfalls seine Aufwartung mit seiner netten Frau

Dann geht’s schon wieder zum Essen zu meinen Eltern, die für uns Sechs den Esstisch zum Durchhängen bringen. Tamara und ihr Mann fahren gegen 20 Uhr wieder zurück nach Kassel. Wir duschen noch bei meinen Eltern und machen uns dann auch auf den Heimweg zu unserer guten, alten Tante Paula. Am Zetor brennt nur der rechte Scheinwerfer und das Fernlicht und die Nebelscheinwerfer funktionieren nicht mehr. Es gab schon andere Pannen, die uns weitaus mehr Kopfzerbrechen bereitet haben. Morgen fahren wir bei Tageslicht auf einen Campingplatz bei Niedenstein südlich von Kassel, etwa 80 Kilometer von hier, um noch eine letzte Nacht in der „Fremde“ zu verbringen. Irgendwie möchte ich gar nicht wieder nach Hause. Zu sehr habe ich mich an das Vagabundenleben gewöhnt. Barbara dagegen kann es gar nicht abwarten, wieder im „festen Haus“ zu sein. Zu sehr haben ihr wohl die fast 800 Stunden Sitzen auf ihrem völlig ungefederten Beifahrersitz einen bleibenden „Stempel“ aufgedrückt.

 

2 Gedanken zu „Deutschland – 02. Oktober“

  1. Hallo liebe Familie Ochs,

    nun ist das Ende Ihrer tollen Reise angekommen. Ich kann nachempfinden das diese Reise einen unvergesslichen Stellenwert in Ihrem Leben haben wird. .. man war ja fast „Live“ jeden Tag durch Ihre Berichte dabei. Die vergangenen 6 Monate haben mich Ihre Berichte immer fröhlich gestimmt, manchmal traurig und mitfühlend werden lassen..doch Dann und Wann auch zum nachdenken angeregt…Welch unvergessliche Erlebnisse Sie von Ihrer Reise mitbringen…und ob man selbst in der kurzen Zeit hier auf Erden soetwas auch machen sollte. Verpasst man nicht etwas ?… Hmmm…
    Ihre „angekündigten“ Reiseberichte als Buch werde ich garantiert lesen.
    Ich wünsche Ihnen eine Gute Heimfahrt..
    Alles Alles Gute und bleiben Sie Gesund!

    Ich hoffe wir sehen uns nächstes Jahr auf dem Viehmarkt in Hofgeismar..

    MfG
    Mario Junge
    (FFZ Herolde – Vernawahlshausen)

  2. Hallo Barbara & Dieter,

    die letzten Kilometer eurer wundervollen Reise stehen jetzt vor der Tür und ich bewundere eure ruhige Art zu reisen! Anders als ich mit dem Fahrrad aber genauso ungewöhnlich entdecken wir die schönsten Plätzchen Europas ; nicht zu letzt und ohne Kulturschock sind wir Tagtäglich Kilometer für Kilometer in Kontakt mit den Einheimischen, so ein erlebnisreiches Gefühl!!! Meldet euch bitte bei mir wenn ihr vielleicht mal aus euren Tagesberichte ein nettes Buch veröffentlicht, ich würde es auf jedem Fall kaufen! Kommt gut Heim und ruht euch aus! Liebe Grüße aus Köln, Olivier.

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